92 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
Edelmetall nach dem byzantinischen Reiche und dem entfernteren Ostenoffenbar eine außerordentliche Verringerung des Edelmetallbestandesvon Westeuropa herbeigeführt.
Von der Karolingerzeit an hat die Gewinnung beider Metallewieder einen Aufschwung genommen. Die Goldwäscherei an denfranzösischen und. deutschen Flüssen, die niemals ganz aufgehört hatte,scheint wieder mit größerem Nachdruck betrieben worden zu sein.Der Betrieb der Gdldbergwerke in Ungarn und Siebenbürgen ist wahr-scheinlich schon im 8. Jahrhundert wieder aufgenommen worden; umdieselbe Zeit sollen Goldfunde in Böhmen gemacht worden sein, wodie Goldwäschereien vom 11. bis zum 14. Jahrhundert steigende Erträg-nisse lieferten. Der Höhepunkt der westeuropäischen Goldproduktionfällt auf das 15. Jahrhundert, in dem auch die salzburgischen Berg-werke erhebliche Erträge abwarfen. Auch aus Afrika ist in jenerZeit durch den allmählich an Bedeutung und Ausdehnung gewinnendenHandel Gold in größeren Beträgen nach Westeuropa gekommen.
Rascher als die Goldgewinnung scheint sich die Silberproduktionvon dem Tiefstande der drei Jahrhunderte vor der Karolingerzeit er-holt zu haben. Für eine günstigere Gestaltung der Silberversorgungspricht schon der Umstand, daß der noch von den Merowingern fest-gehaltene Goldsolidus immer mehr durch das Silbergeld, ersetzt wordenist, und daß die von Karl dem Großen vorgenommene Neuordnung desMünzwesens durchaus auf der Basis des Silbers beruhte. Vielleichtschon Vinter Pipin, jedenfalls aber unter Karl dem Großen waren dieSilberminen von Melle in Poitou im Betrieb. Im 9. Jahrhundert scheinendie Silberbergwerke im Lebertal im Elsaß mit gutem Erfolg in Angriifgenommen worden zu sein; von der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundertsbis gegen Ende des 15. Jahrhunderts hat jedoch der Betrieb wegentechnischer Schwierigkeiten (Wasserandrang) geruht. Nicht viel späterals im Lebertal wurde im Breisgau der Silberbergbau aufgenommen(urkundlich nachweisbar schon 1028); dazu kam der Silberbergbau inMaasmünster. Von erheblicher Bedeutung war die um das Jahr 970>aufgenommene Silbergewinnung im Harz, die im 12. Jahrhundert einenHöhepunkt erreicht zu haben scheint. Dazu kam in der zweiten Hälftedes 12. Jahrhunderts die Silbergewinnung aus dem Mansfelder Kupfer-schiefer und die Inangriffnahme des Silberbergbaues in der Gegend vonFreiberg in Sachsen. Größere Silberquantitäten als irgend ein anderesProduktionsgebiet lieferte vom Beginne des 13. Jahrhunderts an bis zumAusgange des Mittelalters Böhmen . Um die Wende des 13. und 14. Jahr-hunderts scheinen hier die größten Ergebnisse erzielt worden zu sein.Auch Ungarn, namentlich die Gegend von Schemnitz , hat schon früh-zeitig Silber produziert.
Außerhalb des Gebietes des heutigen Deutschen Reiches und Öster-