Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

3. Kapitel. Edelmetallprodukticm und Wertverhältnis. § 2. 91

die arischen Völker das Silber erst nach dem Golde und dem Kupferkennen gelernt haben.

Über die Produktion von Gold und Silber während des Alter-tums und Mittelalters liegen nur spärliche Notizen vor, deren Zu-verlässigkeit wenigstens in quantitativer Beziehung mehr alszweifelhaft ist. Wir wissen aus einzelnen Inschriften usw., daß inVorderasien im 9., 8. und 7. Jahrhundert vor Christi Geburt schonrecht erhebliche Mengen von Gold vorhanden gewesen sein müssen;so soll Sanherm laut einer Keilinschrift dem jüdischen König Hinkiaeine Zahlung von 300 Talenten Gold auferlegt haben, was bei Be-wertung des Goldtalentes auf etwa 70 000 Mark eine Summe vonetwa 21 Millionen Mark ergibt. Sicherlich sind zur Zeit des lydischenKönigreichs in Kleinasien aus den Ablagerungen der Flüsse erheblicheMengen von Gold gewonnen worden. In Oberägypten und Nubien istregelrechter Goldbergbau in Quarzgängen betrieben worden; auch ausArabien, der Ostküste von Afrika und vielleicht auch von Indienist in jener Zeit Gold nach Vorderasien gekommen. Zur griechischenZeit wurde auf Thasos, in Thrazien und Mazedonien Gold im Wegedes Bergbaues gewonnen; die Gruben wurden teilweise noch zurKölnerzeit ausgebeutet. Zur Zeit des Polybius wurde viel Gold inden Schwemmlanden von Aquileja gewonnen. Keiche Erträge warfenvor allem die Goldwäschereien und Goldbergwerke in Spanien ab.Dazu kamen in der Kaiserzeit die Goldbergwerke im Gebiet desheutigen Salzburg und Kärnten sowie in Galizien. Sicher hat in denersten Jahrhunderten nach Christi Geburt die Goldgewinnung sehr er-heblich abgenommen.

Was das Silber anlangt, so ist die Herkunft des zweifellos nichtunerheblichen Silberbestandes im babylonischen Gebiete bis zum heutigenTage noch unaufgeklärt. Die reichen Silberbergwerke Spaniens sindwahrscheinlich schon sehr frühzeitig (wohl bereits gegen Ende des2. Jahrtausends vor Christus) von den Phöniziern ausgebeutet worden.Später während der Glanzperiode Athens haben die Bergwerkevon Laurion stattliche Erträgnisse geliefert. Sporadisch wurde Silberauch in Cypern, Thrazien und Kleinasien gewonnen. Zur römischenZeit stammte die Silbergewinnung vorwiegend aus dem SilberbergbauSpaniens , der nach dem ersten Punischen Kriege zunächst von denKarthagern, dann von den Römern zu einer ganz neuen Blüte gebrachtworden zu sein scheint. Ebenso wie die Goldgewinnung zeigte auchder Silberbergbau in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt einen unaufhaltsamen Rückgang; im 5. Jahrhundert scheint er im West-römischen Reich gänzlich aufgehört zu haben.

Das 5., 6. und 7. Jahrhundert nach Christi Geburt hat bei nahezustillstehender Edelmetallproduktion und bei einem starken Abfluß von