Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

90 Erstes Bück II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetall Verhältnisse.

für einzelne Perioden nicht unerheblich von einander abweichen. Imgroßen Ganzen haben sich für die Zeit bis zum Ende der 80 er Jahredes 19. Jahrhunderts die SoetbeebscIi en Zahlen, für die spätere Zeitdie Angaben des amerikanischen Münzdirektors des größten Ansehenszu erfreuen. Seit dem Beginne der 70er Jahre haben die Grundlagender Statistik der Edelmetallproduktion an Zuverlässigkeit und Voll-ständigkeit so sehr gewonnen, daß erheblichere Abweichungen vonder Wirklichkeit und größere Differenzen in den Ergebnissen dereinzelnen Untersuchungen nicht mehr möglich sind. Seitdem dieWährungsfrage" aufgetaucht und brennend geworden war, ist daspraktische Interesse an den Edelmetallverhältnissen so stark geworden,daß in allen wichtigen Produktionsgebieten der Beobachtung der Edel-metallgewinnung die erforderliche Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu-gewendet wird.

§ 2. Allgemeine Übersieht Uber die Entwicklung- der Produktionvon Gold und Silber.')

Von den beiden Edelmetallen und wahrscheinlich von allen Metallenüberhaupt ist das Gold zuerst von den Menschen gewonnen worden.Die Ursache ist, daß Gold fast nur in gediegenem Zustande oder inVerbindung mit Silber vorkommt, und zwar vielfach im Sande und inden Ablagerungen der Flüsse in Form von Körnern und Plättchen,die bei der Widerstandsfähigkeit des Goldes gegen die Einwirkungenvon Luft .und Wasser durch ihren Metallglanz die Aufmerksamkeit auchder noch auf primitiver Kulturstufe stehenden Menschen auf sich ziehenmußten. Zu der leichten Gewinnung des Goldes kommt hinzu seineFormbarkeit., die es in Verbindung mit seinem schönen Metallglanzeals ganz besonders geeignet zur Herstellung von allerlei Schmuck-gegenständen erkennen ließ. So erklärt es sich, daß man primitivenGoldschmuck auch bei wilden Völkerschaften fast überall vorgefundenhat, wo die. Flüsse Gold mit sich führen und wo Gold in Schwemm-landen vorkommt.

Wesentlich ungünstiger liegen die Verhältnisse beim Silber. Dasweiße Metall kommt nur in verhältnismäßig geringen Mengen in ge-diegenem Zustande vor; meist ist es verbunden mit Chlor, Bleiglanz,Schwefel, Arsen und Antimon. Seine Gewinnung setzt im allgemeinenbereits einen regelrechten Bergbau und eine vorgeschrittene Verhüttungs-technik voraus; sie bietet nicht nur beträchtlich größere Sclwierig-keiten als die Goldgewinnung, sondern vielfach auch als die Kupfer-gewinnung. Es klingt deshalb durchaus nicht unwahrscheinlich, daß

1) Vergl. außer den bereits zitierten Arbeiten von Soetbeek vor allem dieArtikelEdelmetalle",Gold und Goldwährung",Silber und Silberwährung" vonLexis im Handwörterbuch der Staatswissenschaften.