118 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
brochen ab; die Periode 1601 bis 1620 zeigte eine durchschnittlicheWertrelation von 1 : 12,25 gegen 1 : 10,75 ein Jahrhundert zuvor: daswar eine Entwertung des Silbers um etwa 12 Prozent im Laufe von100 Jahren. Es sei daran erinnert, daß in jener Zeit die Silberpro-duktion einen ganz außerordentlichen Aufschwung nahm, während dieGoldproduktion nur verhältnismäßig langsam anwuchs.
Die folgenden Jahrzehnte brachten eine erhebliche Beschleunigungim Rückgange des Silber wertes; die Wertrelation war schon 1621 bis1640 l : 14, sie ging aut 1 : 15 in den 40 Jahren 1661 bis 1700 undauf 1 : 15,21 in der Periode 1701 bis 1720. Wie wenig die Produktions-verhältnisse allein entscheidend sind für die Gestaltung des gegen-seitigen Wertes der beiden Metalle, zeigt sich in dieser Periode ganzbesonders deutlich. Diese Entwertung des Silbers um nahezu 20 Pro-zent vollzog sich bei stockender und abnehmender Silbergewinnungund zunehmender Goldproduktion; der Anteil des Goldes am Gewichteder Gesamtproduktion stieg in jener Zeit von 2 Prozent auf 3,5 Prozent.
Von 1720 an begann der Silberwert wieder etwas zu steigen1761 bis 1780 war die durchschnittliche Relation 1 : 14,72. In dieserersten Periode der Unterbrechung des Wertrückganges des Silbers wie-die Goldproduktion infolge der Entdeckung der brasilianischen Gold-felder zum ersten Male seit der Entdeckung Amerikas eine sehr erlieb-liche Steigerung auf, durch die — trotz der gleichzeitigen Steigerungder Silbeige winnung — der Anteil des Goldes am Gewichte der Ge-samtproduktion zeitweise (1741 bis 1760) auf 4,4 Prozent gesteigertwurde.
Mit der Abnahmeder Goldgewinnung bei einer vorläufig nochweiter steigenden Silberförderung begann der Silberwert um die Neigedes 18. Jahrhunderts abermals zu sinken; die Wertrelation hielt sichin der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im großen Ganzen zwischen1 : 15.5 und 1 : 16, mit einer namentlich gegen Ende dieser Periodehin deutlich hervortretenden Tendenz zur weiteren Verringerung desSilber wertes.
Mit der Entdeckung der kalifornischen Goldfelder tritt die Ent-wicklung in eine neue Phase. Die Wertrelation erfuhr eine ausge-sprochene Verschiebung zu Ungunsten des Goldes und zu gunsten desSilbers. Die durchschnittliche Relation des Jahrfünfts 1856 bis 1860war 1 : 15,30, und im Jahre 1S59 ging die Wertrelation auf dem Lon-doner Markte zeitweise bis auf 1 : 15,03 zurück, während sie im Jahre1848 vorübergehend 1 : 16,12 gewesen war. Der Gewichtsanteil desGoldes an der Gesamtproduktion der Edelmetalle hob sich in den50 er Jahren auf mehr als 18 Prozent.
Schon in der zweiten Hälfte der 60er Jahre trat jedoch abermalsein Umschwung ein, und mit den 70er Jahren begann der rapide und