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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
122
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122 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Eclelmetallverhültnisse.

gestellt bleiben. Nur zur Ergänzung sei auf einen Umstand aufmerksamgemacht, der aus der späteren Entwicklung eine besondere Beleuchtungerhält, nämlich auf die Tatsache, daß es, wie oben (S. 92 u. 93) ausführ-lich dargelegt worden ist, überaus wahrscheinlich, ja man kann sagendurchaus sicher ist, daß in jener Periode die Goldproduktion im Ver-hältnis zur Silberproduktion beträchtlich größer war, als vom Anfangdes 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Noch für die Zeit von 1493bis 1520 stellt sich nach der SoETBEEiischen Statistik der Anteil desGoldes am Gewichte der gesamten Edelmetallproduktion auf 11 Prozent,während er in der Folgezeit bis unter 2 Prozent herabging. Dem Wertenach entfielen auf das Gold in dem genannten Zeiträume 57 Prozent,während sich sein Anteil im 16. und 17. Jahrhundert zeitweise unter20 Prozent ermäßigte. Schon im Jahre 1419 hatten aber die Portugiesendas Kap Bojador an der Westküste Afrikas umsegelt, und der Gold-staub gehörte zu den wichtigsten Waren, welche die portugiesischenSchiffe von den Küsten Afrikas nach Europa brachten. Wenn manferner erwägt, daß bereits im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts diedeutsche Silberproduktion einen sehr erheblichen Aufschwung zeigte,während von der Goldgewinnung eine ähnlich, große Zunahme nichtberichtet wird, so erscheint der Schluß gerechtfertigt, daß in demJahrhundert vor 1493 der Anteil der Goldproduktion noch erheblichbedeutender war, als ihn die Ziffern für die Periode 1493 bis 1520ausweisen. Für eine Zeit, in der das Geldwesen noch nicht in festeFormen gegossen ist, in denen vielmehr der Verkehr alles als Geldbenutzt, was sich ihm als geeigneter Geldstoff darbietet, läßt ein Über-wiegen der Goldproduktion allein schon einen überwiegenden Gebrauchvon Goldgeld als natürlich erscheinen.

Mit der Hervorhebung des vorherrschenden Goldgebrauchs sindjedoch die Geldverhältnisse zur Zeit der Entdeckung Amerikas nochnicht genügend charakterisiert. Es muß außerdem erwähnt werden,daß der Gebrauch des metallischen Geldes überhaupt damals nochein beschränkter war, daß die Naturalwirtschaft in den weitestenSchichten noch nicht durch die Geldwirtschaft verdrängt war, wennauch die letztere während des Mittelalters erhebliche Fortschritte ge-macht hatte.

Eine weitere Ausdehnung des Geldgebrauchs erschien aus der ge-samten wirtschaftlichen Entwicklung heraus notwendig. Aber erstdurch den gewaltigen Strom von Edelmetall, der sich von 1520 anüber die Alte Welt ergoß, wurde der enorme Fortschritt der Geldwirt-schaft, der die neue Zeit auszeichnet, möglich gemacht.

W r enn wir sehen, daß weitaus der größte Anteil an der Steige-rung der Edelmetallproduktion während des. und 17. Jahrhundertsauf das Silber entfällt, so muß es als eine notwendige Folge erscheinen.