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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
124
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124 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

Zur Illustration der Entwicklung des Geldwertes gegenüber denübrigen Gütern in der bier in Betracht kommenden Periode mögendie folgenden Zahlen dienen, die Eogees für England als effektiveDurchschnittspreise ermittelt hat: . * .

In dep Jahren15411582

In den Jahren15831642

In den Jahren16431702

Lohn der Maurergesellen . . .Lohn der landw. Arbeiter . .

13 sh. 6 1 /» d8 »1 5/45 5'/.1,-7

2 826*,, 23/ 4

3 4»/t3 3

36 sh. 1 d

19 9 3 /412 52 5724 97s33 11744 , 2'/44 16

41 sh. tVU d

22 274 ,,15 27*3 5'/ 3

6 » 1 >38 ,, 106 73/46 4 3 /4

Zweifellos wäre die Geldwertverringerung und die ihr entsprechendePreisrevolution eine beträchtlich stärkere gewesen, wenn nicht dasstarke Bedürfnis nach einer Ausdehnung der Geldwirtschaft dengroßen Massen neuen Metalls ein weites Verwendungsfeld gesicherthätte. Weil die vermehrte Produktion einem starken wirtschaftlichenBedürfnisse entgegenkam, übte sie nicht ihre volle Wirkung auf denWert des Edelmetallgeldes aus. Weil aber dieses starke wirtschaft-liche Bedürfnis sich ausschließlich auf das Silbergeld erstreckte, weildas weite Feld, das in jener Zeit der Geldwirtschaft neu erschlossen wurde,nur für das für kleinere Zahlungen geeignete Silber Verwendung hatte,deshalb erscheint die Einwirkung der veränderten Produktionsverhält-nisse auf die Wertrelation der beiden Metalle in noch viel höheremGrade abgeschwächt, als die Einwirkung auf den Geldwert schlechthin.Durch die rasch fortschreitende Ausdehnung der Geldwirtschaft aufdie unteren Schichten der Volkswirtschaft gewann das Silber gegen-über dem Golde so sehr an Bedeutung und Verwendbarkeit innerhalbdes Geldwesens, daß trotz der vielfach stärkeren Vermehrung derSilbergewinnung nur eine relativ geringfügige Änderung der Wert-relation zugunsten des Goldes eintrat, eine Verschiebung von 1 :10,75auf 1:12,25.

Die Periode von etwa 1620 an zeigt in den wesentlichsten Punkteneine umgekehrte Tendenz. Bei abnehmender Silbergewinnung fährtdie Goldproduktion fort zu steigen. Gleichzeitig wächst aus ver-schiedenen Gründen die monetäre Nachfrage nach Gold. Die europäischeWelt wurde damals durch langwierige und verheerende Kriege heim-gesucht, und in solchen unsicheren Zeiten ist das Gold, weil es leichterzu transportieren und zu verbergen ist, stets mehr gesucht als dasSilber. Von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an kam hinzuder Aufschwung des internationalen Verkehrs un die Vergrößerungder Umsätze. Dadurch wurde in ähnlicher Weise, wie in der vorher-