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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
125
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4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. § 1. 125

gehenden Periode durch die Ausdehnung der Geldwirtschaft nach untenhin für das Silber,, so jetzt für das Gold ein weiteres Verwendungs-gebiet und eine stärkere Nachfrage geschaffen. Denn je mehr derinternationale Verkehr wächst, bei dem es sich um die Versendungbeträchtlicher Summen auf große Entfernungen handelt, und je größerdie Umsätze auch im Inlandsverkehr werden, desto stärker wird dasBedürfnis nach Zahlungsmitteln, die in kleinem Volumen einen hohenWert repräsentieren; und in dieser Beziehung ist das Gold dem Silberweit überlegen. Nur aus dieser Zunahme der Goldnachfrage läßt essich erklären, daß vor 1620 an das Gold gegenüber dem Silben er-heblich im Werte stieg, während gleichzeitig der Anteil des Goldesan der Gesamtproduktion der beiden Metalle eine nicht unwesentlicheSteigerung aufwies. Das Wertverhältnis zwischen Silber und Goldging von 1:12,25 in der Periode 1601 bis 1620 auf 1: 14 im Durch-schnitt der folgenden 20 Jahre, und es hob sich bis auf 1 :15,21 imDurchschnitt der Jahre 1701 bis 1720. Das war die stärkste Ver-änderung der Eelation seit dem Beginn des Mittelalters, und sie istauch späterhin nur übertroffen worden durch die Silberentwertung imletzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

Die Möglichkeit, daß der große Silberzufluß aus der Neuen Welt,der von 1545 an begonnen hatte, seinen Einfluß auf das Wertver-hältnis der beiden Metalle erst von etwa 1620 an in vollem Umfangeausübte, nachdem sich die jährliche Neuproduktion allmählich zu großenMassen aufgestaut hatte, soll bei der Erklärung des ungewöhnlichenEückgangs des Silberwertes nicht ganz von der Hand gewiesen werden.Gänzlich abzulehnen sind dagegen die Versuche, den Umschwung inder Wertrelation aus den Einflüssen der staatlichen Münzgesetzgebungzu erklären, also daraus, daß in der in Frage stehenden Periode dieGoldmünzen in staatlichen Verordnungen gegenüber den Silbermünzenfortgesetzt höher tarifiert worden seien. Der ursprüngliche Zusammen-hang ist vielmehr der umgekehrte. Jeder Kenner der damaligen mone-tären Verhältnisse weiß, daß in jener Zeit die staatlichen Tarifierungenvon Gold- und Silbermünzen nicht nur auf das Wertverhältnis der un-geprägten Metalle ohne Einfluß waren, sondern daß sie nicht einmalden Wert der geprägten Münzen zu fixieren vermochten. Die Münzenwaren vielmehr der schwankenden Bewertung des freien Verkehrsunterworfen, und die häufigen Änderungen der offiziellen Tarifierungender Münzen wurden dadurch hervorgerufen, daß die offizielle Bewer-tung nicht mehr im Einklang mit der tatsächlichen Bewertung stand.Weit entfernt, die Ursache der veränderten Bewertung der beidenMetalle im freien Verkehr zu sein, waren mithin die Veränderungender gesetzlichen Tarifierung damals die Wirkung des verändertenMarktwertes der Edelmetalle.