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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
139
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4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. § 3. 139

Stimmung mit dem Wert Verhältnisse auf dem Markte gebracht, undwährend einiger Jahre hielten sich Gold- und Silberprägungen unge-fähr die Wage. Vom Beginne der 40er Jahre an gewannen jedochdie Goldprägungen das Übergewicht, und der von 1848 an eintretendeRückgang des Goldwertes bewirkte, daß sich einheimische Silber münzenbald nur noch mit Agio im Verkehr hielten, und daß neben ihnenzahlreiche ausländische Silbermünzen, die mit schwankendem Kurswerteumliefen, den Dienst von Scheidemünzen versahen.

So hatte sich schließlich um die Mitte, des 19. Jahrhunderts über-all ein stark überwiegender Umlauf des einen oder des anderen derbeiden Edelmetalle herausgebildet, und zwar ebenso sehr in den Ländernmit gesetzlicher Doppelwährung, wie in den Ländern, deren Gesetz-gebung die einfache Währung sei es' die Goldwährung oder Silber-währung sanktioniert hatte.

Bei dieser Verteilung der beiden Metalle herrschte das Silbergeldunbedingt vor auf dem europäischen Kontinente und in dem größtenTeile der außereuropäischen Welt, namentlich in den großen StaatenAsiens, in Vorder- und Hinterindien, in China und Japan . NebenEngland hatten nur einige kleinere Staaten, wie Portugal , ferner dieVereinigten Staaten von Amerika und englische Kolonien, wieCanada und Australien , einen überwiegenden, aber an sich unbedeuten-den Gold Umlauf.

Diese ungleiche Teilung der Welt in Gold- und Silberländer schiendurch den Stand der Edelmetallproduktion für längere Zeit festgelegtzu sein. Die geringfügige Vermehrung des Weltgoldbestandes durchdie damalige Goldproduktion ließ von einem Übergang zur Gold-währung gar nicht zu reden einen ausgiebigeren Gebrauch des Goldeszu Geldzwe.cken selbst dort unmöglich erscheinen, wo die Doppelwäh-rung Gold und Silber formell auf gleichem Fuße behandelte. So sehrauch gerade in den 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts deraus der steigenden Verwendung der Dampfkraft hervorgegangene Auf-schwung aller wirtschaftlichen Verhältnisse eine stärkere Verwendungvon Goldgeld für die Länder des europäischen Kontinents als wünschens-wert erscheinen ließ: praktische Folgen für die internationalen Wäh-rungsverhältnisse und für die Münzpolitik der einzelnen Staaten konntensich daraus nicht ergeben, solange nicht genug Gold vorhanden war,um den Platz des Silbers im Geldumlaufe auszufüllen.

§ 3. Die kalifornischen und australischen Goldfnude und ihre Wirkung-auf den Edelmetallmarkt.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bewirkte ein Zusammentreffenverschiedener Ereignisse eine vollständige Umwälzung sowohl in den