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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
138
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138 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

Nach langwierigen Verhandlungen kam am 26. November 1847ein Münzgesetz zustande, das an Stelle der formell bestehendenDoppelwährung eine reine Silberwährung einführte. In der Durch-führung dieses Gesetzes wurde im Jahre 1850 das umlaufende Gold-geld eingezogen und unter erheblichen Kosten durch einen Silberum-lauf ersetzt.

Deutlicher als durch diese holländische Münzreform konnte dieallgemeine Auffassung, daß für absehbare Zeit das Silber das Geld-metall des europäischen Kontinents sein werde, nicht zum Ausdruckgebracht werden.

Im Gegensatze zu der geschilderten Entwicklung in den europä-ischen Staaten vollzogen sich die Dinge in den Vereinigten Staaten von Amerika .

Die amerikanische Geldverfassung beruhte ursprünglich auf demGesetze vom 2. April 1792. Dieses Gesetz bestimmte, daß der verhältnis-mäßige Wert von Gold und Silber in allen Münzen der VereinigtenStaaten 15:1 sein sollte, daß die Gold- und Silbermünzen gesetzlichesZahlungsmittel bei jeder Art von Zahlung sein sollten und daß dieMünzanstalten für jedermann unentgeltlich Gold- und Silbermünzenausprägen sollten. In diesen Bestimmungen war die Doppelwährungformell in vollendeterer Weise proklamiert, als vorher in England undspäter in Frankreich .

Das Wertverhältnis von 15:1 entsprach bei seiner Einführungungefähr der Relation auf dem Weltmarkte. Aber der Rückgang desrelativen Silberwertes, der in England die Veranlassung zur Begründungder Goldwährung gab, während er in Frankreich zu einem über-wiegenden Silberumlaufe führte, erzeugte bald eine Differenz zwischender Marktrelation und dem Wertverhältnisse des amerikanischen Münz-gesetzes. Infolgedessen gewann auch in den Vereinigten Staaten derSilberumlauf die ausschließliche Herrschaft. Die wenigen Goldmünzen,welche sich in der amerikanischen Zirkulation hielten, bekamen einAufgeld, das in den 20 er Jahren des 19. Jahrhunderts bis auf 5 Prozentstieg. Der größte Teil des amerikanischen Geldumlaufs bestand ausfremden Silbermünzen, namentlich aus spanischen Piastern, die zu einemgesetzlich festgestellten Kurse zirkulierten.

Bei der frühzeitigen Entwicklung der amerikanischen Volkswirt-schaft und bei den lebhaften Verkehrsbeziehungen zu England wurdeder Goldumlauf nur ungern vermißt. Um die Schaffung und Erhaltungeines Goldumlaufs zu ermöglichen, wurde durch ein Gesetz vom 28. Juni1834 der Feingehalt des Golddollar so weit verringert, daß das Wert-verhältnis der amerikanischen Doppelwährung sich auf 1:16 stellte.

Damit war die gesetzliche Relation wieder in leidliche Überein-