4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauehe der Edelmetalle. §2. 137
Silber gelang es mithin der französischen Doppelwährung weder dieGoldmünzen einwandfrei in das Geldsystem einzufügen, noch die beidenMetalle gleichberechtigt im Umlaufe zu erhalten. Gegen die Mitte des19. Jahrhunderts bestand die französische Zirkulation aus einem durch raus überwiegenden Silberunilaufe und einem geringen Vorrate von Gold-münzen mit schwankendem Aufgelde. Auch hier ist also das Silber inder ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder zur nahezu ausschließ-lichen Herrschaft gelangt.
Ähnlich wie in Frankreich entwickelten sich die Verhältnisse indenjenigen Ländern, welche das französische Frankensystem adoptierten,in Belgien, in der Schweiz und in Italien ; nur daß in diesenLändern die Silberwährung ausdrücklich anerkannt wurde. So nahmdas belgische Münzgesetz vom 5. Juni 1832 den Silberfranken alsMünzeinheit an, ohne die Prägung von Goldfranken anzuordnen oderzuzulassen. —
Die Vorherrschaft des Silbers auf dem europäischen Kontinentewährend der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der feste Glaubean die Dauer dieses Zustandes wird am besten charakterisiert durcheine münzpolitische Maßregel, zu der die Niederlande sich imJahre 1847, am Vorabend der gewaltigen Umwälzung der Edelmetall-und Währungsverhältnisse, entschlosssen.
Von allen mitteleuropäischen Staaten hatten in der ersten Hälftedes 19. Jahrhunderts die Niederlande allein einen ansehnlichen Geld-umlauf. Durch ein Gesetz vom 28. September 1816 hatten sie eineDoppelwährung angenommen, der eine Relation von 1 ; 15,873 zugrundelag. In dieser Relation war das Gold im Verhältnis zur Marktrelationzu hoch bewertet. Die Folge davon war, daß in Holland ausschließ-lich Gold und überhaupt kein Silbergeld geprägt wurde. Wenn trotz-dem die Einziehungen gelegentlich der holländischen Münzreform umdie Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 94 Millionen Fl. in Silber und nur50 Millionen Fl. in Gold ergaben, so kam das daher, daß die alten Silber-münzen "zu stark abgenutzt waren, als daß sie die Einschmelzung undden Export gelohnt hätten, während umgekehrt von dem Goldgelde,das ausschließlich den Verkehr mit dem Auslande vermittelte, stets erheb-liche Beträge wieder abflössen. Von 181b' bis 1847 waren 172 MillionenFl. in Gold ausgemünzt worden, von denen, wie oben erwähnt, 1847nur noch 50 Millionen Fl. vorhanden waren. Trotz der starken Gold-prägungen galt, in der öffentlichen Meinung das Silber nach wie vorals das eigentliche Geld, das den Sitten und Gebräuchen des Landesam meisten entspreche. Die Erkenntnis, daß bei dem bestehendenWertverhältnis die Zulassung des Goldes eine nachhaltige Verbesserungdes Silberumlaufs unmöglich mache, hat schließlich eine gegen das Goldgerichtete Münzgesetzgebung hervorgerufen.