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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
136
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136 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung des Edelmetallverhältnisse.

Diese Ursache bewirkte, daß trotz der nachhaltigen Steigerungder Goldgewinnung von den 20 er Jahren an das Wertverhältnis aufdem Markte für das Gold dauernd günstiger war, als die gesetzlicheSektion in Frankreich . Namentlich in den 40 er Jahren zeigte sicheine ausgesprochene Tendenz zur. weiteren Verringerung des Silber-wertes. Der Londoner Silberpreis sank im Jahre 1848 bis auf 58 x /'2 d,entsprechend einem Wertverhältnis von l : 16,12. Auch auf der PariserBörse ging der Goldpreis fortgesetzt in die Höhe. Gold und Silberwerden dort in Promillenprime" undperte" auf den Münzpreis be-rechnet. Der Aufschlag für Gold überstieg bereits im Jahre 1847 zeit-weise die Höhe von 20 Promille. Aus dem durchschnittlichen Gold-und Silberpreise des Jahres 1848 ergibt sich ein Wertverhältnis von1 : 15,94. Zeitweise stieg in jenem Jahre infolge der politischen Wirrender Aufschlag für Gold auf 65 Promille, während der höchste Auf-schlag für Silber nur 3 Promille betrug; das sich daraus ergebendeWertverhältnis ist 1 :16,66.

Die Folge war, daß die große Vermehrung, welche die französischeZirkulation in jener Periode erfuhr, ausschließlich auf das Silber entfiel,während der Goldumlauf durch Einschmelzung und Export immer mehrzusammenschrumpfte. Von 1830 bis 1847 (für die frühere Zeit existierenkeine Zahlen) weist die französische Handelsstatistik eine überwiegendeAusfuhr von Gold auf. In 13 von den 18 Jahren war eine Mehrausfuhr zuverzeichnen. Insgesamt betrug der Ausfuhrüberschuß 73 Millionen Frs.Dazu kommen die Beträge, die heimlich oder unter falscher Deklarationausgeführt worden sind, und der ganze industrielle Goldverbrauch inFrankreich selbst. In der gleichen Zeit fand ein ununterbrochenerZufluß von Silber statt, der sich (nach Abzug der gleichzeitigen Aus-fuhr) auf 1692 Millionen Frs. stellte.

Die Silberprägungen auf den französischen Münzstätten beliefensich von 1820 bis 1850 auf 3186,5 Millionen Frs., die gleichzeitigen Gold-prägungen dagegen nur auf 483,4 Millionen Frs., von 1842 bis 1847wurden nur für 17,3 Millionen Frs. Goldmünzen geschlagen, bei einergleichzeitigen Silberprägung von 427,8 Millionen Frs. Die Zahlen derGoldausfuhr zeigen, daß die gleichzeitigen Einschmelzungen von Gold-münzen die Ausprägungen beträchtlich überwogen haben. Das Goldgeld,das in Zirkulation blieb, erhielt ein Agio. Die goldnen Zwanzigfranken-stücke notierten an der Pariser Börse ein Aufgeld, dessen Höchstbetrag innormalen Zeiten zwischen etwa 10 und 20 Promille schwankte, und dasin der Verwirrung des Jahres 1848 sogar bis auf 120 Promille stieg.')

Gegenüber den Schwankungen der Marktrelation von Gold und

1) Vgl. Lkxis, Art.Doppelwährung" im Handwörterbuch der Staatswissen-schaften, 3. Aufl., Bd III, S. 562.