4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauehe der Edelmetalle. §2. 135
vom 7. Germinal des Jahres XI (28. März 1803) das französische Geld-wesen auf Grand der Frankenrechnung neu ordnete.
Es verdient hervorgehoben zu werden, daß in dem französischen Münzgesetz von 1803 der Grundsatz der Doppelwährung mit einerdauernd festen Tarifierung beider Metalle keineswegs präzis ausge-sprochen ist. Das Gesetz begründete die französische Münz Verfassungvielmehr der Form nach auf das Silber, indem es erklärte: „FünfGramm Silber von n /io Feinheit bilden die Münzeinheit".. Das Goldkam nur subsidiär hinzu in der Form, daß das Gesetz vorschrieb: „Eswerden Goldstücke von 20 und 50 Frs. geprägt". Der ursprünglicheEntwurf enthielt sogar den ausdrücklichen Vorbehalt, daß die Gold-stücke (nicht aber die Silberstücke) eventuell in ihrem Feingehaltegeändert werden könnten. Eine solche Änderung ist jedoch niemalserfolgt, und da den Goldmünzen und Silbermünzen in gleicher Weiseder Charakter als gesetzliches Zahlungsmittel zukam und sie sich beiden Zahlungsleistungen gegenseitig zu ihrem Nennwerte vertretenkonnten, da ferner beide Metalle gegen eine mäßige Münzgebühr freiausprägbar waren, ist das französische Münzsystem des Jahres 1803a.ls eine Doppelwährung zu bezeichnen.
Das Wertverhältnis von 1 :15,5 war, als es von Calonne ein-geführt wurde, für das Gold erheblich zu günstig gegriffen. DieEntwertung des Silbers jedoch, die im letzten Viertel des 18. Jahr-hunderts begann und in England zur Einstellung der freien Silber-prägung führte, brachte am Anfange des 19. Jahrhunderts, zur Zeitals das Münzgesetz von 1803 erlassen wurde, das Markt Verhältnisin annähernde Übereinstimmung mit der gesetzlichen Relation derfranzösischen Doppelwährung.
Der Rückgang des relativen Silberwertes setzte sich jedoch in derersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort. Die weitere Abnahme derGoldproduktion, die sich bis in die 20er Jahre hinein erstreckte,wirkte zusammen mit der erfahrungsgemäß in kriegerischen Zeitensteigenden Goldnachfrage. Vom zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhundertsan zeigte allerdings der Anteil des Goldes an der Produktion beiderEdelmetalle eine Zunahme, und auch das Wertverhältnis zeigte einevorübergehende Veränderung zugunsten des Silbers. Der GoldbedarfEnglands , das am Ende des 18. Jahrhunderts in die Papiergeldwirt-schaft geraten war und nunmehr durch umfangreiche Goldbeschaffungendie Wiederaufnahme der Barzahlungen vorbereitete, führte jedochbald zu einer neuen Steigerung des relativen Goldwertes. Dazukam als ein immer wichtigeres Moment die großartige Entwicklungdes internationalen Verkehrs, innerhalb dessen der englische Gold-sovereign in großem Umfange an die Stelle des spanischen Silber-piasters trat.