134 Erstes Buch. IL Abschnitt. Die Gestaltung der EdeimetalhVerhältnisse.
Goldmünzen 530,9 Millionen Mark
Silberkurantmünzen 1714,7 „ „
Silberscheidemünzen 83,6 „ „Davon befanden sich zur Zeit des Beginns der Münzreform nochin Umlauf:
Goldmünzen 95 Millionen Mark
Silberkurantmünzen 1456 „ „
Silberscheidemünzen 79 „ „
Die Ausprägung von Silbermünzen war mithin nur etwa dreimalso stark, als die Ausprägung von Goldmünzen; die letzteren vermochtensich jedoch auf Grund der geschilderten Verhältnisse so wenig im Ver-kehr zu halten, daß der tatsächliche Goldumlauf Deutschlands imJahre 1871 nur den 16. Teil des Silberumlaufs ausmachte. —
Während in Deutschland die Entwicklung der Parallelwährungzu einem fast ausschließlichen Silberuinlaufe und schließlich zur gesetz-lichen Proklamierung der Silberwährung führte, kam Frankreich innerhalb eines Doppelwährungssystems zu einer vorwiegenden Silber -zirkulation, bis die kalifornischen Goldfunde einen Umschwung herbei-führten.
In Frankreich beharrte man während des 17. und 18. Jahrhundertsbei den Versuchen, den gegenseitigen Wert der Gold- und Silbermünzendurch gesetzliche Tarifierungen zu fixieren. Diese Tarifierungen wurdenhäufig geändert; denn da sich die Edelmetalle den Verordnungen nichtfügten, mußten sich die Verordnungen nach den Schwankungen derMarktrelation von Gold und Silber richten, wenn anders man nicht, aufdie Münzen des einen oder des anderen Metalls gänzlich verzichten wollte.
Was den tatsächlichen Zustand des französischen Geldumlaufsanlangt, so erscheint es sicher, daß die starke brasilianische Gold-produktion das Goldgeld beträchtlich vermehrt hat. In den letztenJahrzehnten des 18. Jahrhunderts ist dann, entsprechend der Abnahmeder Goldgewinnung und der Steigerung der Silberproduktion, ein Um-schwung eingetreten. Die Verschiebung der Marktrelation zugunstendes Goldes führte zur Einschmelzung und zum Export der nunmehrin der gesetzlichen Relation unterwerteten Goldmünzen, und dieserVorgang gab den Anlaß zu einer neuen Tarifierung, die in der Folge-zeit von der größten Bedeutung geworden ist. Aüf Veranlassung desMinisters Calonne erschien unter dem 30. Oktober 1785 eine „Deklarationdu Eoi portant iixation de la valeur de Tor relativement ä l'argent etc.",in welcher eine Verringerung des Feingehaltes der Goldmünzen beigleichbleibendem Nennwerte vorgeschrieben wurde; das der neuen Be-messung des Feingehaltes zugrunde gelegte Wertverhältnis von Silberund Gold war 1 : 15,5. Diese Tarifierung ist später von der Gesetz-gebung der Republik beibehalten worden, als diese durch das Gesetz