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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
143
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4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. §4. 143

großen Massen aufnahm, wirkte es der Veränderung des Wert Verhält-nisses zu Ungunsten des Goldes und zugunsten des Silbers entgegen.Während der Anteil des Goldes an der Produktion beider Edelmetallevon etwa 3 Prozent auf mehr als 18 Prozent stieg, ging der Londoner Silberpreis in seiner größten Spannung von 58 '/2 d auf 62 % d in dieHöhe, d. h. der Goldpreis des Silbers stieg nur um etwa 7,3 Prozent,

Wir haben es hier jedoch nicht mit einer Wirkung zu tun, diedas Doppelwährungssystem an sich und unter allen Umständen aus-üben muß. Die Betätigung dieser ausgleichenden Wirkung war viel-mehr an ganz bestimmte Voraussetzungen gebunden. Erstens daran,daß Frankreich , als die Umwandlung in den Verhältnissen des Edel-metallmarktes begann, einen großen Silberumlauf angesammelt hatte,den es im Austausch gegen das neue Gold der gesteigerten Silbernach-frage zur Verfügung stellen konnte; wäre an Stelle der Steigerung derGoldproduktion und der Silbernach frage eine ähnliche Steigerung derSilbergewinnung und des Goldbedarfs getreten, dann wäre die franzö-sische Doppelwährung, da sie mit Silber gesättigt und arm an Goldwar, gänzlich außei stände gewesen, den Einfluß dieser Verhältnisseauf die Wertrelation der beiden Metalle zu brechen. Die zweite Voraus-setzung war, daß der Übergang von einer Silber- zu einer Goldzirku-lation den Interessen des französischen Verkehrs entsprach, und daßinfolgedessen Frankreich den Austausch von Silber gegen Gold ruhigüber sich ergehen ließ. Wo die automatischen Wirkungen der Doppel-währung den Bedürfnissen des Verkehrs widersprochen haben, dort hatbisher nirgends die Rücksicht auf ihre ausgleichende Wirkung auf dasWertverhältnis der Edelmetalle die Gesetzgebung davon abgehalten,über die Doppelwährung den Stab zu brechen. So hat England imJahre 1797, als ihm die Doppelwährung einen Silberumlauf an Stelleseines Goldumlaufs zu bringen drohte, durch die Sperrung der Silber-prägung die Doppelwährung beseitigt, und ebenso hat sich späterFrankreich verhalten, als bei dem neuen Preisruckgange des Silbers dieDoppelwährung seinen kaum gewonnenen Geldumlauf bedrohte.

Wie sehr um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem europäischenKontinente der Boden für das Goldgeld durch die allgemeine wirtschaft-liche Entwicklung vorbereitet war, zeigt sich daran, daß nicht nur inFrankreich , wo das Gold auf Grund der Doppelwährung ohne weiteresEingang fand, sich eine umfangreiche Goktzirkulation bildete, sondernauch in Ländern, deren Münzverfassung formell für das Gold keinenRaum hatte.

Zunächst drangen die neuen französischen Goldmünzen in den-jenigen Ländern ein, welche das Frankensystem auf der Basis der reinenSilberwährung angenommen hatten, in Belgien, der Schweiz und Italien .Uberall befreundete sich der Verkehr sofort mit dem Golde, und, weit,