4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauehe der Edelmetalle. § 6. 149
Beurteilung der münzpolitischen Situation und in ihre münzpolitischenAbsichten, namentlich soweit, die Währungsfrage in Betracht kommt.
Inbezugauf die Weltmünzeinheit selbst kam es nur zu Beschlüssenganz allgemeinen Inhalts. Es wurde empfohlen, bei künftigen Münz-reformen in Ländern, die noch nicht das Frankensystem angenommenhätten, das goldene Fünffrankenstück als „denominateur commun", als„gemeinsamen Nenner" anzunehmen, d. h. eine Rechnungseinheit, diein einem einfachen Verhältnisse zu dieser Münze stehe, dem Münzsystemezugrunde zu legen. Aber die wichtigsten Staaten, namentlich England ,die deutschen Staaten und Holland , machten sofort weitgehende Vor-behalte, indem sie erklärten, daß sie mit Rücksicht auf ihre wohlbe-währten und in den Volksgewohnheiten eingewurzelten Systeme ihrenBeitritt zu einem internationalen Münzsystem nicht in sichere Aussichtstellen könnten.
Während man in bezug auf das internationale Münzsystem über das„non liquet" nicht hinauskam, herrschte in bezug auf die Währüngs-frage nahezu völlige Einstimmigkeit. Es fanden umfangreiche Verhand-lungen darüber statt, auf Grund welchen Währungssystems eine Welt-münzeinheit errichtet werden könne; und diese Frage wurde mit allenStimmen gegen die eine der Niederlande dahin entschieden, daß wederdie Silberwährung, noch die Doppelwährung, sondern nur die reineGoldwährung in Betracht komme.
Dieser Beschluß brachte die übereinstimmende Meinung der aufder Konferenz vertretenen Regierungen zum Ausdruck, daß die Gold-währung das Währungssystem der Zukunft sei. Die dem Beschlüssevorausgegangenen Verhandlungen ließen keinen Zweifel darüber be-stehen, daß die bereits im Besitz der Goldwährung befindlichen Staatenunter keinen Umständen gesonnen waren, die Goldwährung wiederpreiszugeben, und daß ferner die in absehbarer Zeit vor der Not-wendigkeit einer Geldreform stehenden Länder die Goldwährung alsdie Grundlage ihres künftigen Geldwesens anstrebten. Die englischeRegierung erklärte auch in der Folgezeit auf das bestimmteste, daßsie unbedingt bei der Goldwährung bleiben werde, und daß jede Miinz-einigung mit einem Doppelwährungslande ausgeschlossen sei. Belgien ,die Schweiz und Italien , die schon bei der Begründung des LateinischenMünzbundes die Goldwährung als Grundlage gefordert hatten, vertratennach wie vor dieselbe Meinung. Österreich hatte bereits im Jahre 1854,beim Beginn der Verhandlungen über den Wiener Münz vertrag, denÜbergang zur Goldwährung verlangt; sein Vertreter auf der PariserKonferenz vertrat dieselbe Forderung und schloß wenige Tage nachSchluß der Konferenz mit Frankreich eine Präliminarkonvention überÖsterreichs Beitritt zur Münzunion ab, die als Vorbedingung fürbeide Teile ausdrücklich den Übergang zur Goldwährung festsetzte