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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
148
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148 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

einer Weltmünzeinheit. In der Tat ist es den Franzosen gelungen,ihrem metrischen Maß- und Gewichtssysteme eine nahezu universelleVerbreitung zu geben. In der Münzfrage jedoch stießen diese kosmo-politischen Bestrebungen auf große Schwierigkeiten.

Der eifrigste Förderer des Gedankens eines Weltmünzbundesinnerhalb der französischen Regierung war De Pahieü, Vizepräsidentund später Präsident des Staatsrates. Für ihn war der LateinischeMünzbund nur eine Vorstufe für die erstrebte Weltmünzeinheit. ImTexte des Lateinischen Münzvertrags selbst war dieser Gedanke zumAusdruck gebracht. Der Artikel 12 des Vertrags lautete:

Das Recht zum Beitritte zur gegenwärtigen Übereinkunft istjedem Staate vorbehalten, der ihre Verbindlichkeiten übernehmen unddas Vereiusmünzsystem in betreff der Gold- und Silbermünzen ein-führen will."

Außerdem teilte Frankreich den Vertrag sofort nach seinem Ab-schlüsse den Regierungen der wich tigeren Staaten mit und forderte siezum Beitritte auf.

Der Erfolg des. französischen Vorgehens entsprach nicht der be-geisterten Aufnahme, den der Abschluß des Lateinischen Münzvertragsbei der kosmopolitisch gestimmten öffentlichen Meinung der meistenKulturstaaten gefunden hatte. Nur Griechenland trat der Münzuniouformell bei; der Kirchenstaat, Spanien und Rumänien nahmen auf demWege der autonomen Gesetzgebung, ohne sich dem Münzvertrage anzu-schließen, das Frankensystem an. Bei allen übrigen Regierungen stießdie Aufforderung Frankreichs auf große Bedenken, die teilweise aus derRücksicht auf das eigene, seit langer Zeit eingebürgerte Münzsystem derbetreffenden Länder hervorgingen. Namentlich der Umstand, daß dieLateinische Münzunion auf Grund der Doppelwährung errichtet war,veranlaßte die fremden Regierungen fast allgemein zu einer großenZurückhaltung, und es zeigte sich, daß eine befriedigende Ent-scheidung der Währungsfrage die erste Voraussetzung für einen Welt-münzbund sei..

Die französische Regierung suchte die Schwierigkeiten zu über-winden, indem sie anläßlich der Pariser Weltausstellung von 1867einen großen internationalen Meinungsaustausch über die Weltmünzeveranstaltete. Auf der von ihr berufenen internationalen Münzkonferenzwaren 19' europäische Regierungen und außerdem die VereinigtenStaaten von Amerika offiziell vertreten. Zwar hatte die Konferenznur den Charakter einer unverbindlichen Besprechung; sie sollte keineBeschlüsse von praktischer Tragweite fassen, sondern nur die Grund-lage für weitere diplomatische Verhandlungen liefern'. Aber trotzdemgewähren ihre Verhandlungen eiuen interessanten und wichtigen Einblickin die Stellung der verschiedenen Regierungen zur Münzfrage, in ihre