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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
147
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I.Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. §6. 147

Sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für die Länder desLateinischen Münzbundes schuf die Doppelwährung mit Silberscheide-münzen befriedigende Verhältnisse, solange das Wertverhältnis derEdelmetalle die formell fortbestehende freie Silberprägung praktischnicht zuließ. Unter dieser Bedingung brachte das System alle Vor-teile der reinen Goldwährung: einen überwiegenden Goldumlauf undeinen hinreichenden Silberumlauf für den kleinen Verkehr.

Ein Umschwung im Wertverhältnisse zugunsten des Goldes mußtedie Lage ändern. Sobald das Silber wieder unter den ihm beigelegtenWert zurückging und damit die Silberprägung wieder anfing, lohnendzu werden, entstand für die Länder mit der modifizierten Doppel-währung dieselbe Frage, vor die sich England am Ende des 18. Jahr-hunderts gestellt sah, und die es ohne Besinnen mit der Preisgabe desDoppelwährungssystems löste: die Frage, ob sie den überwiegendenGoldumlauf durch das Silber verdrängen lassen wollten.

Aber diese eigentlich entscheidende Frage stand vorläufig nochim Hintergrunde, und ehe sie praktisch wurde, traten Ereignisse ein,die ihre schließliche Lösung stark beeinflußten und beschleunigten.Inzwischen wendeten sich die Interessen des Tages mit Eifer einemProbleme zu. dessen bisher rein theoretische Erörterung durch den Ab-schluß des Lateinischen Münzbundes seiner Verwirklichung nahe ge-rückt schien: der Idee einer Weltmünzeinheit.

§ 6. Weltmünzbuud und internationale Wiihruujrsf'rage.

Der Gedanke einer Weltmünzeinheit ist fast so alt, wie die Ver-schiedenheit der Münzverfassung der einzelnen Länder. Gewisse ganzauf der Oberfläche liegende Vorteile, die Ersparung der Umwechselungund der Umrechnung usw., daneben die ideale Vorstellung eines Zusammen-gehens der ganzen Menschheit in einer bestimmten Einrichtung habenihm stets Anhänger verschallt. Besonders nahe mußte der Gedankeeines Weltmünzbundes in einer Zeit liegen, in der die Menschheitnoch unter dem frischen und vollen Eindrucke des gewaltigen Fort-schrittes stand, der aus der Erleichterung des Verkehrs von Nationzu Nation hervorgegangen war. Nachdem die Errungenschaften dermodernen Technik die Überwindung des trennenden Raumes erleichtertund so die natürlichen Schwierigkeiten des internationalen Verkehrswesentlich vermindert hatten, war man bestrebt, auch die künstlichenHindernisse zu beseitigen. Unter der lebhaften Mitwirkung Napoleons III.war in den Handelsverträgen mit England , dem Zollverein und anderenStaaten die bisherige Politik der Absperrung preisgegeben worden.Ebenso wie durch die Herabsetzung der Zollschranken wollte man deninternationalen Güteraustausch fördern durch die Einführung einesuniversellen Maß- und Gewichtssystems und durch die Begründung

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