4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. §6. 15t
folgern, daß eine starke Strömung zugunsten der Goldwährung in derKulturwelt vorhanden gewesen sei.
Bei dieser Argumentation wird der Inhalt der Verhandlungen überden Beschluß gänzlich ignoriert; aus diesen Verhandlungen geht, wieoben gezeigt wurde, deutlich hervor, daß die Vertreter der einzelnenStaaten die Goldwährung nicht lediglich als Mittel zum Zweck einerMünzunion betrachteten, sondern daß sie die Goldwährung an sichfür das vollkommenste Geldsystem ansahen, und daß sie ganz ohne Rück-sicht auf ein etwaiges Zustandekommen des Weltmünzbundes gewilltwaren, die Goldwährung, wo sie bestand, festzuhalten, wo sie nichtbestand, auf ihre Einführung Bedacht zu nehmen. Es wird außerdemübersehen, daß die Goldwährung ihrer Natur nach nicht lediglich Mittelzum Zweck eines Weltmünzbundes sein konnte, ein Mittel, das durchdie Aussichtslosigkeit jenes Zweckes seinen Wert verloren hätte. Derwichtigere Teil der von einem Weltmünzbunde zu erwartenden Vor-teile war bereits auf dem Boden der bloßen Währungsgleichheit zuerreichen, und deshalb war kein Grund vorhanden, nach dem Scheiternder Weltmünzidee auch auf eine Währungsgleichheit zu verzichten.Und das Votum der Pariser Konferenz, daß die Münzeinheit nur aufGrundlage der Goldwährung erreichbar sei. besagte gleichzeitig, daßauch eine Währimgsgleichheit für die Kulturvölker nur auf Grundlageder Goldwährung durchgeführt werden könne. Wenn man mit einemraschen Blicke die seitherige Entwicklung überfliegt, dann sieht man,daß die Tatsachen inzwischen dieser Auffassung Recht gegeben haben.Nichts hat in den letzten drei Jahrzehnten so sehr zur Ausbreitung derGoldwährung beigetragen, als die immer enger werdende Verkettungder handelspolitischen und finanziellen Interessen der Völker, die eineWährungsofleichheit gebieterisch verlangt.
Alles in allem geben die Pariser Verhandlungen davon Zeugnis,wie sehr die Goldfunde nicht nur die tatsächlichen Verhältnisse desGeldumlaufs in der Kulturwelt, sondern auch die währungspolitischenAnsichten in kurzer Zeit umgewandelt hatten. Von der Demonetisationdes Goldes in den Niederlanden im Jahre 1847, die gewissermaßenden Glauben an die Silberwährung oesiegelte, bis zur Pariser Konferenzvon 1867, welche die Goldwährung als das System der Zukunft prokla-mierte, — eine kurze Spanne von zwei Jahrzehuten! Das Überhand-nehmen der Goldzirkulation in großen Gebieten und die Wandlung derwährungspolitischen Auffassung hatte den Boden vorbereitet für eineneue Ära der Münzgesetzgebung, als deren Aufgabe es sich darstellte,den Goldumlauf, wo er bestand, ohne durch die gesetzliche Gold-währung gesichert zu sein, dauernd zu erhalten und dem Goldgelde dort,wo es infolge der bestehenden Münzverfassung bisher keinen Einganghatte finden können, Eingang zu verschaffen.