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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
152
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152 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

Es fehlte nur noch der Anstoß, um den Stein ins Rollen zu bringen.

Wie die Dinge in der zweiten Hälfte der 60er Jahre lagen, mußteman erwarten, daß dieser Anstoß von Frankreich ausgehen werde.Frankreich hatte in der münzpolitischen Entwicklung die Führungübernommen; sein Ehrgeiz, einen Weltmünzbund unter französischerHegemonie zustande zu bringen, mußte es weiter vorwärts drängen;nach der Richtung der Goldwährung schon deshalb, weil nach denErklärungen der Pariser Konferenz die Goldwährung die unerläßlicheVorbedingung für einen Weltmünzbund war.

Sobald aber Frankreich endgültig die Doppelwährung preisgab unddie Goldwährung annahm, war für die Länder der europäischen Kulturdie Währungsfrage praktisch entschieden. Daß die Schweiz, Belgien undItalien sich einem solchen Schritte mit Freuden angeschlossen hätten,war sicher. Gegenüber diesen Staaten, gegenüber England und seinenwichtigsten Kolonien und gegenüber dem fast ausschließlich auf Goldberuhenden Welthandel wären Deutschland, Holland und Skandinavien mit ihrer Silberwährung in eine währungspolitische Isolierung geraten.

Es war für Deutschland ein großes Glück, daß es nicht vor dieseEventualität gestellt wurde, und daß in Frankreich die Anhängerschaftder Doppelwährung immer noch stark genug war, um dort ein entschlos-senes Vorgehen zu verzögern. Noch im März 1867, einige Monate vorder internationalen Konferenz, hatte sich eine Kommission mit 5 gegen3 Stimmen für die Beibehaltung der Doppelwährung entschieden. Nunwurde im Jahre 186S eine neue Münzkommission berufen, die eineumfangreiche Enquete veranstaltete und Gutachten der Handelskammern,der Generalsteuereinnehmer und der Bank von Frankreich einholte.Letztere beharrte noch immer auf dem Standpunkte der Doppelwährung;aber von 66 Handelskammern erklärten sich 45, von 91 Steuerein-nehmern 69 für die Goldwährung. Die Enquetekommission selbstempfahl mit 17 von 23 Stimmen die Beseitigung des Silberkurant-geldes, mindestens aber die sofortige Einstellung oder Beschränkungder Ausprägung silberner Fünffrankenstücke und die Beschränkungihrer Zahlungskraft auf Beträge bis zu 100 Frs.

Der doppelwährungsfreundliche Finanzminister Magne unterwarfsich jedoch nicht den Beschlüssen der Enquetekommission, sondernsetzte es durch, daß die Frage an ein neues Forum zur nochmaligenBeratung verwiesen wurde, nämlich an den Conseil Superieur duCommerce, de. l'Agriculture et de l'Industrie. Dieser Conseil begannseine Verhandlungen im November 1867 und beendete seine Arbeitenerst im Juli 1870, nach Ausbruch des Krieges mit Deutschland ; ervernahm eine große Anzahl von Sachverständigen aller Länder undaller Parteien und gab sein Schlußvotum mit beträchtlicher Mehrheitzugunsten der Goldwährung ab.