Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

5. Kapitel. Die deutsehe Mfinzrefonn. § 1.

153

Aber jetzt war die Zeit für eine französische Initiative auf demGebiete des Geldwesens vorüber. Der Krieg machte zunächst jedeMaßregel unmöglich, und in seinen Folgen brachte er eine Umwälzungder Verhältnisse, durch welche die Führung auch auf währungspoli-tischem Gebiete von Frankreich an Deutschland überging.

5. Kapitel. Die deutsche Münz re form.§ 1. I>er Zustund des deutschen Geldwesens tot der Reform.

Die deutsche Münzreform nimmt in der neuesten Entwicklung desGeldwesens eine so hervorragende Stellung ein, daß es sich schondaraus rechtfertigt, sie an dieser Stelle etwas eingehender zu behandeln.

Die Verhältnisse, aus welchen die Bestrebungen nach einer Re-form des deutschen Geldwesens ursprünglich hervorgegangen waren,hatten allerdings mit der internationalen Entwicklung des Geldwesensnichts zu tun, sondern waren durchaus nationaler,Natur. Der vonalters her am meisten beklagte Mißstand im deutschen Geldwesen wardie Vielheit der in' den einzelnen Territorien geltenden Münzsystemesowie "die Mannigfaltigkeit und der schlechte Zustand der einzelnenMünzsorten, die teilweise aus längst abgeschafften Prägesystemen her-rührten.

Zur Zeit der Münzreform bestanden im neuen Deutschen Reichenoch sechs verschiedene Münzsysteme: die Talerwährung im größtenTeile von Nord- und Mitteldeutschland , die Guldenwährung in den süd-deutschen und einigen mitteldeutschen Staaten, die Frankenwährungin den neu erworbenen Reichslanden, die Lübische Währung in denFreien Städten Hamburg und Lübeck , die auf Feinsilber begründeteBankowährung für den hamburgischen Großhandel, die Talergold-währung in Bremen . Die Talerwährung selbst zerfiel in verschiedeneSysteme, in das preußische, das den Taler in 30 Silbergroschen zu12 Pfennigen einteilte, während der Groschen in Sachsen und einigenmitteldeutschen Staaten nur zu 10 Pfennigen gerechnet wurde, undwährend man in Mecklenburg nach Talern zu 48 Schillingen rechnete.

Noch schlimmer als diese Vielheit von Münzsystemen war dasChaos des wirklichen Münzumlaufes. Bei der Einführung eines neuenPrägesystems war meist nicht darauf Bedacht genommen worden, dieumlaufenden Stücke des alten Münzfußes zu beseitigen, und so hattendie deutschen Münzsysteme von anderthalb Jahrhunderten im deutschen Münzumlaufe ihre Niederschläge hinterlassen. Dazu kamen das Papier-geld von 21 deutschen Staaten und die Noten von 31 deutschen Banken,außerdem eine Fülle ausländischen Metall- und Papiergeldes.

Am schlimmsten lagen in dieser Beziehung die Verhältnisse inSüdwestdeutschland . Die dort herrschende Münzverwirrung kann kaum