158 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
große Unklarheit. Der erste deutsche Handelstag, der 1861 in Heidel-berg versammelt war und sich mit der Münzfrage beschäftigte, hieltdie Münzeinigung für ein so dringendes Bedürfnis, daß ihre Verwirk-lichung nicht durch eine Verkettung mit der Währungsfrage erschwertwerden dürfe. Der dritte Handelstag, der im Jahre 1865 in Frank-furt a. M. stattfand, zeigte bereits einen beträchtlichen Umschwung derMeinungen. Das Bedürfnis nach der Schaffung eines Goldumlaufswurde fast einhellig als dringend anerkannt, aber über die Art undWeise, wie das Goldgeld dem deutschen Münzsj^steme eingefügt werdensollte, herrschte noch große Meinungsverschiedenheit. Man einigtesich auf einen Beschluß, der die Prägung einer Goldmünze im Fein-gehalte des Zwanzigfrankenstücks verlangte; dieser Münze sollte einfester, falls sich aber die Regierungen dazu nicht entschließen könnten,wenigstens ein von Zeit zu Zeit veränderlicher Kassenkurs beigelegtwerden. Der Vorschlag wollte nur ein Auskunftsmittel zeigen, dasgleichzeitig „zur Anbahnung der Goldwährung" dienen sollte.
In den folgenden Jahren zog die von Frankreich ausgehende Be-wegung zugunsten eines Weltmünzbundes auch die deutschen Reform-bestrebungen in ihre Kreise. Der Abschluß des Lateinischen Münz-bundes und die glanzvolle Pariser Münzkonferenz von 1867 gaben demGedanken einer Weltmünze eine besondere Flugkraft. Gleichzeitigwirkten die Verhandlungen der Pariser Konferenz aufklärend in derWährungsfrage. Die Wirkung in Deutschland zeigte sich auf dem Volks-wirtschaftlichen Kongresse von 1867 und dem deutschen Handelstagevon 1868, die beide gleichzeitig mit der deutschen Münzeinheit denAnschluß an das Frankensystem und den Übergang zur Goldwährungverlangten. Auch der Norddeutsche Reichstag faßte im Juni 1868eine Resolution, die ein Münzsystem forderte, das „möglichst vieleGarantien einer Erweiterung zu einem allgemeinen Münzsysteme allerzivilisierten Länder biete"; ein Jahr später Wurde vom Zollparlamenteeine gleichlautende Resolution beschlossen.
Es stellte sich jedoch bald heraus, daß weder England noch dieVereinigten Staaten geneigt waren, das französische Münzsystem an-zunehmen. Frankreich selbst zögerte, die auf der Pariser Konferenzvon seiner eigenen Regierung und allen anderen Staaten mit Ausnahmeder Niederlande anerkannte Voraussetzung für einen internationalenMünzbund, nämlich den Übergang zur gesetzlichen Goldwährung, zuverwirklichen. Dazu kam schließlich der Deutsch -französische Krieg;angesichts des blutigen Ringens zweier mächtiger Kulturvölker mußtedie Idee einer internationalen Münzverbrüderung verblassen. Manbegann Vorteile und Nachteile einer Münzgleichheit mit dem Auslandepraktisch abzuwägen und kam zu dem Schlüsse, daß die wichtigstenVorteile durch die auf dem Boden der Goldwährung zu erstrebende