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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
160
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160 Erstes Buch. Ü. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

wenig Sil berge! d im Umlauf hatte, bedurfte es nur eines Gesetzes,das die freie Silberpräguug aufhob und die Zahlungskraft dersilbernen Fünffrankenstücke beschränkte. In Deutschland dagegengenügte zur Einführung der Goldwährung nicht ein bloßes Gesetz, son-dern der vorhandene Silberumlauf, der den Betrag von 172 MilliardenMark überstieg, mußte zum größten Teile beseitigt und durch einenGoldumlauf ersetzt werden. Durch die Schließung der französischen Münzstätten für das Silber mußte dieses Metall nach der allgemeinenAnnahme eine gewisse Entwertung erfahren und je stärker das Silbergegenüber dem Golde im Werte zurückging, desto schwieriger undkostspieliger mußte für Deutschland die Umwandlung seines Silber-umlaufs in einen Goldumlauf werdeu.

Der Ausgang des Krieges kehrte die Lage um.

Frankreich wurde durch die Folgen des Krieges daran gehindert,in der Währungsfrage den so eingehend vorbereiteten entscheidendenSchritt zu tun. Infolge des Krieges hatte die Bank von Frankreich die Einlösung ihrer Noten einstellen müssen; wenn die französische.Regierung auf die möglichst rasche Wiederaufnahme der Barzahlungenhinarbeiten wollte, dann durfte sie sich die Mittel dazu nicht durchdie Einstellung der Silberprägungen beschränken. Einen ähnlichenZwang übte die .Kriegskostenentschädigung aus. Da Frankreich zurZahlung der Kontribution auch silberne Fünffrankenstücke verwendendurfte, erleichterte es sich die Abtragung, wenn es möglichst viel Silberzur Ausprägung annahm. An eine Aufhebung der Siiberprägung undeinen Übergang zur Goldwährung war also für Frankreich vorläufignicht mehr zu denken.

Umgekehrt wirkte der Ausgang des Krieges für Deutschland .

Die Gründung des Reiches beseitigte das letzte staatsrechtlicheHindernis, das bisher die Münzreform erschwert und verzögert hatte.«Die Kriegsentschädigung löste die Frage, woher Deutschland das zurGoldwährung nötige Gold nehmen sollte; die fünf Milliarden brachten,soweit sie nicht in effektivem Golde, sondern in Wechseln, Bank-anweisungen usw. eingingen, hinreichend Mittel, um Gold zu Präge-zwecken auf ausländischen Märkten anzukaufen.

Die ungewöhnliche Gunst des Augenblicks wurde in Deutschland mit Energie und Geschick ausgenutzt. Die im Jahre 1870 beschlosseneEnquete unterblieb, da die Reichsregierung jetzt die Münzfrage für hin-reichend geklärt und die Zeit für zu kostbar hielt, als daß noch einezeitraubende Enquete am Platze gewesen wäre. Nach der jahrelangenöffentlichen Diskussion über die Münzreform war die Enquete in derTat überflüssig, und die fast gleichlautenden Beschlüsse einer freienKommission von Reichstagsmitgliedern, die im Juni 1871 zusammen-trat, und des im August 1871 zu Lübeck tagenden Volkswirtschaft-