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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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5. Kapitel. Die deutsche Münzrefoim. § 4. 161

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liehen Kongresses konnten mit Recht als der Ausdruck der nahezueinmütigen öffentlichen Meinung erscheinen. Diese Beschlüsse ver-langten die Einführung eines einheitlichen, sich von der Talerwährungableitenden Münzsystems mit dezimaler Einteilung und auf Grundlageder Goldwährung.

§ 4. Dte Einstellung der preufsisehen ftilberprägnngen.

Noch ehe die Gesetzgebung des neuen Reiches Gelegenheit hatte,sich mit der Münzfrage zu befassen, geschah seitens der preußischenRegierung ein währungspolitisch höchst bedeutsamer Schritt. Durchdie französische Kontribution wurde auf dem gesamten internationalenGeldmarkte eine starke Nachfrage nach Zahlungsmitteln für Deutsch-land hervorgerufen, und im Hinblick auf die an die Reichsregierungzu leistenden Zahlungen wurden große Beträge von Silber nach Deutsch-land geschickt und bei den deutschen Münzstätten zur Ausprägungeingeliefert. Die deutscheu Staaten hatten zwar Silberwährung, aberdas freie Prägerecht für Silber war gesetzlich nicht festgelegt; freieSilberprägung bestand vielmehr nur tatsächlich, und zwar in der Formdaß die deutschen Münzstätten das ihnen angebotene Silber zu einemöffentlich bekannt gemachten, wenig hinter dem Ausmünzungswertezurückbleibenden und innerhalb enger Grenzen veränderlichen Preiseankauften. Im zweiten Quartal des Jahres 1871 exportierte nun England allein für nahezu 2 Millionen Pfd. Steii. Silber nach Deutschland , und dendeutschen Münzstätten wurden trotz der Herabsetzung ihres Ankaufs-preises, die einer Erhöhung ihrer Prägegebühr gleichkam, fortgesetztgroße Mengen von Silber zur Ausprägung gebracht. Der starkeSilberzufluß in jener Zeit erklärt sich daraus, daß Deutschland durchdie von Frankreich zu zahlende Kriegskostenentschädigung gewisser-maßen Gläubiger der ganzen Welt geworden war. Auf allen Märktenwurden für französische Rechnung- Zahlungsmittel für Deutschland gesucht. Namentlich die Londoner Banken stellten Wechsel aufDeutschland zur Verfügung und suchten für deren Deckung durch dieVersendung von Edelmetall nach Deutschland zu sorgen. Da Deutsch-land damals noch Silberwährung hatte, kam als Edelmetallrimesseganz vorwiegend das Silber in Betracht, das ohnehin in jener Zeitinfolge der Zunahme der Produktion und infolge des Nachlassens desSilberbedarfs für Indien dem Londoner Markte wieder in größerenMengen zur Verfügung stand.

Der starke Silberzufluß kam der deutschen Regierung in einemAugenblicke, in dem sie mit dem Plane der Herstellung eines Goldum-laufs umging, natürlich sehr ungelegen. Zwar war ein Beschlußdarüber, ob der erstrebte Goldumlauf im Wege der reinen Goldwährungoder im Wege der Doppelwährung hergestellt werden sollte, noch nicht

Helfpbrich, Das Gald. 11