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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
192
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192 Erstes Buch. IL 'Abschnitt. Die Gestaltung der Eilelmetallverhiiltnisse.

Schwebezustände zu erhalten und selbst einige positive Maßregelnzweiter Ordnung zugunsten des Silbers durchzusetzen.

In Deutschland war zwar die Einstellung der Silberverkäufe wenigerauf die Bewegung zugunsten des Silberwertes als auf die großen Verlustebei den Silberverkäufen zurückzuführen. Aber die Silberagitationhatte wenigstens den Erfolg, daß sie eine Wiederaufnahme der Silber-verkäufe verhinderte und die Welt über die Zukunft der deutschenWährungsverfassung in Zweifel setzte.

In den meisten übrigen Staaten, namentlich in denen des LateinischenMünzbundes, gelang es der bimetallistischen Agitation, jeden Schritt,der über die Einstellung der freien Silberprägung hinausging, zu ver-hindern, vor allem jede Abstoßung überflüssiger Silbermengen.

Positive Erfolge erreichte die Silberbewegung in dem Lande, vonwelchem sie eigentlich ihren Ausgang genommen hatte, und das durchdie Bedeutung seines Silberbergbaues am meisten an einer Hebung undBefestigung des Silberwertes interessiert war, in den Vereinigten Staaten von Amerika . Die sogenannte Blandbill vom 28. Februar 1878 wiesdas Schatzamt an, monatlich 24 Millionen Dollar Silber anzukaufenund in Standarddollar mit voller gesetzlicher Zahlungskraft aus-prägen zu lassen. Die Blandbill blieb bis 1890 in Kraft, und währendihrer Wirksamkeit wurden Silbermengen von etwa 9 Millionen kg imWerte von mehr als 300 Millionen Dollar in Standarddollar ausge-prägt. Durch die Shekman-Bill vom 14. Juli 1890 wurden die Silber-ankäufe des Schatzamtes beträchtlich erhöht. Die monatlichen An-käufe wurden auf 4 Vi Millionen Unzen Feinsilber normiert, und gegendieses Silber, das zum größten Teile ungeprägt aufbewahrt werdensollte, hatte das Schatzamt Schatznoten auszugeben. Die Sherman-Bill blieb bis zum Herbste 1893 in Wirksamkeit. Während ihrer drei-jährigen Dauer kaufte das Schatzamt etwa 5V< Millionen kg Silberzum Preise von etwa 156 Millionen Dollar an, beträchtlich mehr alsein Drittel der gleichzeitigen Weltproduktion von Silber.

Alle die geschilderten Verhältnisse, die Abnahme der Goldproduk-tion, die Ungunst der Goldverteilung und die silberfreundliche Be-wegung wirkten zusammen, um von 18791893 jede weitere entschei-dende Veränderung der internationalen Währungsverfassung zuun-gunsten des Silbers zu verhindern. Die Staaten, die im Laufe der70 er Jahre zur Goldwährung oder wenigstens zur Goldvaluta über-gegangen waren, behielten beträchtliche Mengen von Silberkurantgeldzurück; so Deutschland im Jahre 1879 etwa 475 Millionen Mark inTalern, so die Lateinische Union etwa 3 Milliarden Frs. in Fünffranken-stücken, so Holland seinen ganzen Kurantguldenbestand. Österreich-Ungarn hat auch nach der Aufhebung der freien Silberprägung imJahre 1879 noch umfangreiche Silberprägungen auf Staatsrechnung