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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
191
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6. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. §2. 191

hatte die Einladung erst nach einigem Zögern angenommen. Es zeigtesich alsbald, daß eine Einigung über eine internationale Doppelwährungnicht zu erzielen war, und alles, was schließlich zustande kam, wareine gänzlich nichtssagende Eesolution des Inhalts, daß die Münz-aufgabe des Silbers ebensogut wie diejenige des Goldes aufrecht er-halten werden müsse; daß aber die Wahl des einen oder des anderender beiden Edelmetalle oder der gleichzeitige Gebrauch beider nachder besonderen Lage eines jeden Staates geschehen müsse.

Nachdem Deutschland im Jahre 1879 seine Siiberverkäufe ein-gestellt hatte, wurde ein neuer Versuch zur internationalen Regelungder Währungsfrage gemacht. Im Jahre 1881 ließen die VereinigtenStaaten zusammen mit Frankreich abermals Einladungen zu einerMünzkonferenz nach Paris ergehen. Diesmal war auch Deutschland vertreten, und zwar in der Person des späteren Staatssekretärs desReichsschatzamtes, des Freiherrn von Theblmann.

Die Konferenz wurde am 19. April 1881 eröffnet. Eine Anzahlvon Staaten erklärte sich für den Bimetallismus, aber nur im Falleder Beteiligung Englands und Deutschlands. Aber sowohl England als auch Deutschland stellten höchstens kleine Konzessionen an dasSilber in Aussicht, gaben aber gleichzeitig die bestimmteste Erklärungab, daß sie das Prinzip der Goldwährung nicht aufgeben könnten. Nachergebnislosen Beratungen vertagte sich die Konferenz im Juli 1881 biszum April 1882, um diplomatischen Verhandlungen von Kabinett zu Ka-binett Raum zu geben; als aber auch auf diesem Wege nichts erreichtwurde, ließ man die ganze Angelegenheit stillschweigend einschlafen.

In der Folgezeit wurden die Regierungen Englands und Deutsch-lands , bei denen man den Hauptwiderstand erblickte, durch eine, starkebimetallistische Agitation bearbeitet, jedoch gleichfalls ohne Erfolg.Trotzdem unternahmen die Vereinigten Staaten, gedrängt durch diefortgesetzte Verschlechterung ihres eigenen infolge der gleich zu be-sprechenden Silbergesetze geschwächten Geldumlaufs, im Jahre 1891abermals einen Versuch, die europäischen Staaten zu einer gemein-samen Aktion zugunsten des Silbers zu bestimmen. Auf ihre Einladunghin trat in Brüssel im Jahre 1891 aufs neue eine internationale Konferenzzusammen, deren einziger Erfolg war, daß sie deutlicher noch als diefrüheren ähnlichen Veranstaltungen die gänzliche Aussichtslosigkeit desinternationalen Bimetallismus dartat; und wie wir sehen werden,sind bald darauf wichtige Konsequenzen aus dieser Aussichtslosigkeitgezogen worden.

Wenn auch in dieser Weise die auf die Wiederherstellung derfreien Silberprägung gerichteten Bestrebungen ihr eigentliches Zielverfehlten, so gelang es ihnen doch zum mindesten, die währungs-politische Entwicklung während der 80 er Jahre in einem gewissen