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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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196
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196 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

Zunächst haben Österreich-Ungarn und Rußland daraufBedacht genommen, die Goldwährung einzuführen, und sie haben zudiesem Zwecke einen großen Teil des neuen Goldes in den Kassenihrer Finanzverwaltungen und ihrer Zentralbanken angesammelt. Ruß-land allein hat von 1891 bis 1899 eine Mehreinfuhr von Gold imBetrage von etwa 1.8 Milliarden Mark zu verzeichnen gehabt, gleich-zeitig eine eigene Goldproduktion von etwa 930 Millionen Mark. Öster-reich-Ungarn hat von 1891 bis 1900 für etwa 530 Millionen Mark Goldmehr ein- als ausgeführt. Rußlands Übergang zur Goldwährungwurde vom Jahre 1894 an schrittweise durch eine Reihe von Verwaltungs-maßnahmen des Finanzministeriums und von Gesetzen durchgeführt;er ist zum Abschluß gekommen durch das Gesetz vom 7./19. Juni 1899.In Österreich-Ungarn ist durch ein Gesetz vom 2. August 1892 dieGoldwährung im Prinzip angenommen worden, aber ihre Durchführungist noch zu vollenden durch die Aufnahme der Barzahlungen seitensder österreichisch-Ungarischen Bank.

Von direktem Einflüsse war die Silberentwertung für die währungs-politischen Maßregeln Indiens, -Japans und der Vereinigten Staaten .

Indien hat jährlich große Beträge in Gold zu zahlen, teils anZinsen für Goldanleihen, teils an Gehältern und Pensionen für englisch-indische Beamte. Die zu diesem Zwecke stattfindenden Oouncilbill-Begebungen haben von 1890 an etwa 16 Millionen Pfd. Sterling jährlichbetragen. Da Indiens Einnahmen in Silber eingingen, wurde bei demFortschreiten der Silberentwertung ein immer größerer Teil der Ein-künfte durch die Goldausgaben verschlungen. Eine feste Beziehungzwischen dem indischen Gelde und der englischen Goldwährung erschiendeshalb schon zur Vermeidung eines Zusammenbruchs der indischenFinanzen notwendig. Um eine solche feste Beziehung herzustellen,mußte, der Wert der indischen Münzeinheit, der Rupie, unabhängiggemacht werden von dem sich entwertenden Silber. Nachdem dieBrüsseler Münzkonferenz die Aussichtslosigkeit eines internationalenZusammenwirkens zur Hebung und Befestigung des Silberwertes dar-getan hatte, geschah der entscheidende Schritt am 26. Juni 1893 durchdie Einstellung der freien Silberprägung. Man hatte dabei ins Augegefaßt, den Kurs der Rupie auf 16 d englischer Währung zu befestigen,und dieses Ziel ist durch die Sperrung der Silberprägung in wenigenJahren erreicht worden, obwohl der Wert des Silbergehaltes der Rupiebis auf 12 d und weniger gesunken ist. In den letzten Jahren hatIndien einen beträchtlichen Goldschatz angesammelt, der zur Aufrecht-erhaltung des der Rupie beigelegten Goldwertes dienen soll. Durchein Gesetz vom 15. September 1899 wurde der englischen Hauptgold-münze, dem Sovereign, gesetzliche Zahlungskraft zu 15 Rupien (ent-sprechend einem Rupienwerte von 16 d) beigelegt. Damit hat Indien