0. Kapitel. Die Ausbreitung der Goldwährung und die Silberentwertung. § 3. 197
hinkende Goldwährung mit freilich stark überwiegendem Silberumlauf.Aber der Silberumlauf ist nicht beliebig vermehrbar. und der Wert desGeldes ist von seinem Silbergehalte losgelöst und zu einem bestimmtenGoldquantum in Beziehung gesetzt. Die Goldeinfuhr Indiens hat von1896 an erheblich zugenommen. Der Überschuß über die Goldausfuhreinschließlich der eigenen Goldproduktion, hat in dem Jahrzehnt 1896bis 1905 etwa 1135 Millionen Mark betragen.
Japan hat nach Beendigung des Krieges mit China eine Reformseines Geldwesens vorgenommen. Es hat die von China gezahlte Kriegs-entschädigung benutzt, um sich das zum Übergange zur Goldwährungnötige Gold zu verschaffen. Die Goldwährung wurde eingeführt durch einGesetz vom 29. März 1897. Bei der Durchführung des Gesetzes wurdeein Teil des zirkulierenden Silbergeldes eingeschmolzen und verkauft.
Die Vereinigten Staaten schließlich sahen sich bereits imJahre 1893, genötigt, ihre silbei'freundliche Politik aufzugeben. Nach-dem die Brüsseler Konferenz von 1892 resultatlos auseinander gegangenwar, nachdem auf die Einstellung der indischen Silberprägung einneuer scharfer Preisrückgang des Silbers erfolgt und um dieselbe Zeiteine panikartige Beunruhigung über das Schicksal der mit Silber über-füllten amerikanischen Währung entstanden war, wurde der Kongreßim Herbste 1893 zu einer außerordentlichen Session einberufen, inder die Aufhebung der Shekman-Bill beschlossen wurde. In denfolgenden Jahren gab es heftige Kämpfe zwischen den Parteien, diesich auf der einen Seite für freie Silberprägung, auf der anderen fürdie Goldwährung erklärten. Seine schärfste Zuspitzung erfuhr dieserStreit bei der Präsidentschafts wähl im November 1897, bei welcherder Kandidat der Freisilberleute Bbyan gegen Mc Kinley unterlag.
Mc. Kinley, der aus innerpolitischen Gründen den Anhängern desSilbers entgegenkommen wollte, schickte zwar nach seinem Amtsantritteim Jahre 1898 eine Kommission nach Europa , die sich um ein inter-nationales Abkommen zugunsten des Silbers bemühen sollte. In Europa hatte sich inzwischen die bimetallistische Agitation nach dem heftigenPreissturze des Silbers im Jahre 1893 von neuem erhoben und nament-lich in Deutschland in Verbindung mit der agrarischen Bewegungeinen großen Umfang angenommen. Graf Cai>eivi hatte im Jahre 1894eine Kommission „behufs Erörterung von Maßregeln zur Hebung undBefestigung des Silberwertes" berufen, und am 15. Februar 1895 hattesich der Reichskanzler Fürst Hohenlohe bereit erklärt, mit den Verbün-deten Regierungen über die Zweckmäßigkeit eines Meinungsaustauschesüber die Währungsfrage mit fremden Regierungen in Unterhandlungenzu treten. Aber die von bimetallistischer Seite auf diese Erklärung ge-bauten Hoffnungen brachen bald zusammen. Eine Anfrage des deutschenReichskanzlers in London , ob die englische Regierung eventuell bereit