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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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198
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198 Erstes Buch. IL Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

sei, die indischen Münzstätten wieder für das Silber zu öffnen einSchritt, der als erste Vorbedingung für alle weiteren silberfreundlichenMaßregeln erscheinen mußte, wurde negativ beantwortet, und aufGrund dieser Antwort beschloß der Bundesrat am 23. Januar 1896,der Resolution des Reichstags vom Februar 1895, welche die Einbe-rufung einer internationalen Münzkonferenz verlangte, keine Folge zugeben. Bald darauf (am 17. März 1896) erklärte die englische Re-gierung im Unterhause, daß nach der einstimmigen Ansicht des Kabinettseine Preisgabe der Goldwährung für England unmöglich sei, daß sieaber, wenn mehrere ausländische Staaten die freie Silberprägung wiederherstellten, die Öffnung der indischen Münzstätten und andere kleinereKonzessionen an das Silber in Erwägung zu ziehen bereit sei. Dasich die deutschen Biinetallisten im festen Vertrauen auf einen Sieg derbimetallistischen Sache in England auf die ParoleBimetallismus nurmit England " festgelegt hatten, besiegelte diese Erklärung des englischenKabinetts den Zusammenbruch der Silberbewegung auf dem europäi-schen Kontinente. Nur noch der heftige Wahlkampf in den VereinigtenStaaten , der umGut Geld" undFrei Silber" ausgefochten wurde, hieltdas Interesse an der Währungsfrage in Europa noch für einige Zeit wach.

So war die Lage, als im Jahre 1898 die amerikanische Silber-gesaudtschaft nach Europa kam. Sie fand in Frankreich , wohin siesich zunächst wendete, bei dem Kabinett Meline das weiteste Entgegen-kommen. Gemeinschaftlich mit Frankreich wurden die Verhandlungenin London fortgesetzt. Frankreich sowohl als auch die Union erklärtensich bereit, die Silberprägung auf Grundlage des alten Wertverhält-nisses von 1 : 15,5 freizugeben, wobei die Freigabe der Silberprägungin allen anderen Staaten, auch in England , als wünschenswert bezeichnetwurde. Nachdem England dieses Ansinnen kurzer Hand abgelehnthatte, wurden andere Propositionen gemacht, deren wichtigste dieWiedereröffnung der indischen Münzstätten für das Silber war; außer-dem sollte England dem Silber in seiner eigenen Zirkulation einenbreiteren Raum gewähren und sich zu jährlichen Silberankäufen vonbestimmter Höhe verpflichten.

Das englische Kabinett gab die Entscheidung über die Öffnungder indischen Münzstätten in die Hand der indischen Regierung selbst.Diese sprach sich in einem ausführlich begründeten Entschlüsse gegendie Wiederherstellung der freien Silberprägung aus. Die Einstellungder Silberprägung habe ihren Zweck, den Rupienkurs auf 16 d zu be-festigen, nahezu erreicht, es liege mithin in den indischen Verhältnissenkein Grund vor, die erfolgreiche Maßregel wieder rückgängig zumachen. Ein auf Frankreich und die Vereinigten Staaten beschränkterBimetallismus biete keine ausreichende Sicherheit für die Befestigungdes Wertverhältnisses, ein Fehlschlag des geplanten Experiments müsse