1. Kapitel. Der wirtschaftliche Begriff des Geldes. § 2.
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meiner angenommenen letzteren Einteilung vertreten hat, begründetseine abweichende Rubrizierung nicht nur durch den Hinweis auf dieerwähnte Dreiteilung der wirtschaftlichen Vorgänge, sondern auchdamit, daß ein „Kauf-Verkauf für sich doch eben kein Akt der Güter-produktion, sondern der (interpersonalen) Güterübertragung" sei; dereinzelne als Geldbesitzer habe in seinen Geldstücken ein Mittel, nur umGüter zu bekommen die bereits von anderen produziert sind, und das aneinen anderen weggegebene Geld sei ohne jegliche Einwirkung auf das,was mit den für das Geld empfangenen Gütern weiterhin gemacht wird.
In dieser Frage der Einteilung hängt natürlich alles davon ab,was unter den Begriffen „Produktion" und „Verteilung" verstanden wirdVerstellt man unter „Verteilung" die Zuführung der für den Konsumfertigen Güter an die einzelnen konsumierenden Individuen, also die Repar-tierung des Gesamtergebnisses des Produktionsprozesses auf die einzelnenGlieder der Volkswirtschaft — und nur in diesem Sinne läßt sich derVerteilungsprozeß dem Produktionsprozesse gegenüberstellen —, dannist das Geld in unserer Wirtschaftsverfassung entschieden mehr als ledig-lich das Mittel dieser Verteilung. Es gibt zahlreiche und wichtigeGruppen von Verkehrsvorgängen, die durch das Geld vermittelt werden,die aber unzweifelhaft dem Produktionsprozesse angehören. Hierhergehören alle diejenigen Verkehrs Vorgänge, welche Güter, Nutzungenund Leistungen zum Zwecke der Produktion zusammenführen, welcheArbeitsräume, Maschinen-, Roh- und Hilfsstoffe und Arbeitskräfte demUnternehmer für die Zwecke seiner Produktion zur Verfügung stellen.Das Geld dient hier zur wirksamen Zusammenfassung von Produktions-kräften und Produktionsmitteln, zur Organisation der Produktion. SeineFunktion ist in gewissem Sinne analog derjenigen der Transportmittel,die, ähnlich wie das Geld, nicht nur dazu dienen, das fertige Produktdem endgültigen Verbraucher räumlich zuzuführen, sondern auch dazu.Produktionsmittel und Produktionskräfte räumlich zu vereinigen.
Indem wir dabei die Wahrnehmung machen, daß die Transport-mittel stets anstandslos als eine Kategorie des „Kapitals", d. h. derproduzierten Produktionsmittel, betrachtet worden sind, kommen wirzu der Frage, wie der Begriff der „Produktion" abzugrenzen ist. Wennwir diesen Begriff auf die planmäßige Umformung der Materie zuhöherer Brauchbarkeit beschränken, dann ist klar, daß die Transport-mittel ebensowenig wie das Geld „Produktionsmittel" darstellen. Miteiner kleinen Variante läßt sich mit den oben zitierten Worten vonKnies gegen die Rubrizierung der Transportmittel unter die „Produktions-mittel" dasselbe sagen, was er gegen die Einbeziehung des Geldes indie Produktionsmittel ausfühi't: ein Transport ist für sich kein Aktder Güterproduktion, sondern der (interlokalen) Güterübertragung. EineUmformung der Güter tritt durch den Transport ebensowenig ein, wie