220 Zweite» Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
zahlreichen einseitigen Übertragungen von Vermögenswerten, die sichaus der bestehenden wirtschaftlichen und rechtlichen Organisation derGesellschaft ergeben, wie z. B. die Leistung von Abgaben und Steuern.
Damit ist, entsprechend dem oben Bemerkten, nur eine Aussageüber eine Verrichtung, eine Funktion des Geldes gemacht. Das Geldist aber nicht eine abstrakte, von jeder materiellen Verkörperung los-gelöste Funktion, es tritt uns vielmehr in jeder gegebenen Wirtschafts-verfassung und in jedem gegebenen "Wirtschaftsgebiete als ein bestimmterKreis konkreter Objekte gegenüber. Wir bezeichnen als Geld die Ge-samtheit derjenigen Objekte, welche die oben festgestellte Funktionerfüllen, und zwar nicht etwa nur gelegentlich und beiläufig, sondernregelmäßig und in ihrer ordentlichen Bestimmung. Wir sehen dieEntstehung des Geldes erst dann als vollendet an und sprechen erstdann von Geld im vollen Sinne des Wortes, wenn bestimmte, nachäußerlichen Merkmalen unterscheidbare Objekte — wie Münzen undScheine — in ihrer ordentlichen Bestimmung die besonderen Funktionender Verkehrsvermittelung erfüllen, wobei natürlich nicht ausgeschlossenist, daß sie ausnahmsweise dieser Verrichtung entzogen und zu anderenZwecken verwendet werden, oder daß gelegentlich Objekte, derenordentliche Bestimmung auf einem anderen Gebiete liegt, der Verkehrs-vermittelung dienen.
Wir verstehen also unter „Geld" die Gesamtheit der-jenigen Objekte, welche in einem gegebenen Wirtschafts-gebiete und in einer gegebenen Wirtschaftsverfassung dieordentliche Bestimmung haben, den Verkehr (oder die Über-tragung von Werten) z wischen den wirtschaftenden Individuenzu vermitteln.
Mit dieser Definition ist die Stellung des Geldes im Kreise derwirtschaftlichen Erscheinungen dahin bestimmt, daß es als dritteGruppe der Mittelsgüter den Produktionsmitteln im engeren Sinne undden Transportmitteln gleichgeordnet zur Seite steht.
Diese Bestimmung der Stellung des Geldes in der Volkswirtschaftdürfte sich gegenüber der von anderen Geldtheoretikern vorgenommenenwohl begründen lassen.
Im Anschluß an die allgemein übliche Dreiteilung des Lebens-prozesses unserer Wirtschaftsverfassung, die Produktion, die Verteilungund den Konsum, ist von den einen das Geld als Mittel der Güter-verteilung den Produktionsmitteln und den Konsumgütern als ein dritterselbständiger Kreis volkswirtschaftlicher Forschungsobjekte gegenüber-gestellt worden, während von anderen das Geld unter den Begriff des„Kapitals", d. h. der produzierten Produktionsmittel, als eine mit 10oder 12 anderen Unterabteilungen koordinierte Gruppe eingereihtworden ist. Knies, der die erstere Auflassung gegenüber der allge-