246 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.
Gliedern der Volkswirtschaft ganz außerordentlich vereinfacht underleichtert, indem es das wirtschaftende Individuum instand setzte,die benötigten Bedarfsgüter von anderen als den Abnehmern der eigenenErzeugnisse zu beziehen. Wenn in dem oben erwähnten Falle derNagelschmied Brot braucht, dann ist er, sobald in dem Gelde ein all-gemeines Tauschmittel vorhanden ist, nicht mehr auf die Bäcker, alsdie Erzeuger von Brot, auch als Abnehmer für seine Nägel angewiesen;er kann diese vielmehr an irgend eine beliebige Person verkaufen;die imstande ist, ihm den Gegenwert in dem allgemeinen Tauschmittel zu erstatten; derjenige, der sich eines kostbaren Steines gegen an-dere Dinge entäußern will, ist nicht mehr genötigt, den ganzen Gegenwertin den Erzeugnissen seines Abnehmers in einem den eigenen Bedarf weitüberschreitenden Umfange anzunehmen; er kann vielmehr mit dem Gelde,das er erlöst, tausenderlei verschiedenartige Dinge von tausend verschie-denen Personen erwerben; er kann ferner das erlöste Geld zu Zahlungenirgendwelcher Art und zur Gewährung von Darlehen verwenden.
Durch diese weitgehende Aufhebung der Bindung zwischen indivi-dueller Produktion und individuellem Bedarf-wird der nötige Spiel-raum für eine zweckmäßige Ausgestaltung des Produktionsprozessesgeschaffen. Die Bedeutung des Bedarfs für die Produktion wird aufdie ganz allgemeine Beziehung reduziert , daß überhaupt innerhalbdes durch wirtschaftlichen Verkehr verbundenen Kreises ein ent-sprechender Bedarf für die zu produzierenden Güter vorhanden seinmuß; und dieser Kreis wird um so größer, mithin die Befreiung derProduktion von den Individualverhältnissen des Bedarfs um so wirk-samer, je dichter die Bevölkerung sich im Räume zusammendrängt,und je mehr durch Verbesserungen der Transportmittel der trennendeRaum überwunden wird. Das Geld hat die Produktion von denFesseln, in die ihre Entwicklung durch die Bindung an den indivi-duellen Bedarf geschlagen war, ebenso befreit, wie die Verbesserungder Transportmittel die Produktion von der Gebundenheit an denlokalen Bedarf befreit hat. Wie infolge der Erleichterung und Ver-billigung des Transports die Produktion instand gesetzt wurde, injedem einzelnen ihrer mannigfaltigen Zweige die Orte der günstigstenProduktionsbedingungen aufzusuchen, wie dadurch eine gar nicht ab-zuschätzende Steigerung der Produktivität der Arbeit bewirkt wordenist. so hat es das Geld möglich gemacht, die Produktion in den einzelnen.Zweigen ohne Rücksicht auf den Bedarf der an ihr beteiligten. In-dividuen zu organisieren; und dabei war die durch das Geld bewirkteLösung der Produktion vom individuellen Bedarf die erste Voraus-setzung für die durch die Transportmittel bewirkte Lösung der Pro-duktion vom Orte des Konsums.
Die Befreiung der Produktion durch das Geld tritt nach zwei