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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
248
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248 Zweites Buch, L Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

wie ihn das Geld ermöglicht, gegebene individuelle Freiheit nichtsweniger als eine absolute Unabhängigkeit; jeder Einzelne ist, je weiterdie Arbeitsteilung fortschreitet, um so mehr abhängig von den Anderen,an die er verkaufen und von denen er kaufen muß, um leben zukönnen; aber je mehr die Geld Wirtschaft fortschreitet, je mehr alleWaren gegen Geld verkauft und gekauft werden, desto weniger istder Einzelne von bestimmten Anderen abhängig; seine Abhängigkeitbezieht sich vielmehr auf eine unbestimmte und unpersönliche Gesamt-heit, auf denMarkt"; diese Gesamtheit gebietet ihm nicht mit derstrikten Schärfe eines persönlichen Willens, was er tun und nichttun soll; sie leitet ihn vielmehr, indem sie ihm anheim gibt, Er-wägungen über den eigenen Vorteil anzustellen und danach seine Ent-schlüsse zu treffen, und das wird als Freiheit empfunden. Andrer-seits ist die nicht als Unfreiheit empfundene Abhängigkeit des Einzelnenvon größeren Gesamtheiten das wichtigste Prinzip, auf dem die ge-sellschaftliche Kultur beruht.

Der Gebrauch eines Tauschmittels muß, nachdem er infolge seinereinleuchtenden Vorzüge sich in der Gewohnheit eingebürgert hat, aussich selbst heraus eine Erweiterung und Steigerung bis zu dem Punkteerfahren, daß nicht mehr lediglich der durch die Erkenntnis desökonomischen Vorteils bestimmte freie Wille die Benutzung des Tausch-mittels herbeiführt, sondern daß die Benutzung des Tauschmittels fürdie einzelnen Glieder einer arbeitsteilig organisierten Volkswirtschaftin der Regel eine Notwendigkeit ist. Die Benutzung bestimmter Güterals Tauschmittel steigert den Begehr nach diesen Gütern und damit ihreAbsatzfähigkeit weit über die durch den gewöhnlichen Konsumbedarfgegebenen Grenzen hinaus. Weil jedermann sicher ist, gegen das all-gemeine Tauschmittel leichter und vorteilhafter alle anderen Verkehrs-objekte erwerben zu können, deswegen will bald jedermann seineErzeugnisse usw. nur noch gegen das allgemeine Tauschmittel hin-geben, und damit ist für jeden, der von anderen irgendwelche Gütereintauschen will, der Zwang geschaffen, sich zunächst mit Geld zuversehen, d. h. seine eigenen Erzeugnisse usw. regelmäßig nur nochgegen Geld abzugeben. In unserer modernen Volkswirtschaft ist dieseEntwicklung soweit abgeschlossen, daß alle Verkehrsobjekte, die aufden Markt kommen, in der Regel nur gegen Geld veräußert undgegen Geld erstanden werden. Als allgemeines Tauschmittel ist dasGeld der notwendige Durchgangspunkt für den gesamten Austausch-prozeß, es ist der Träger der allgemeinen und unbeschränkten Kauf-kraft gegenüber allen Verkehrsobjekten und damit der Träger derabstrakten, an keinen besonderen Verwendungszweck gebundenen,in ihrer Verwendung unbeschränkten Vermögensmacht.Pe-cuniam habens habet omnem rem, quam vult habere." Während alle