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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
264
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264 Zweites Buch. L Abschnitt Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

anderen Worten: der Preis wird nicht durch eine Messung der Tausch-werte bestimmt, sondern er macht eine Messung des Tauschwertesüberhaupt erst möglich.

Was wir beim isolierten Tausche beobachten, das gilt auch fürden auf einem gegebenen Markte bei einer Konkurrenz von Angebotund Nachfrage sich vollziehenden Tausch, der nicht der erste seinerArt ist, sondern Vorgänger hat. Auf einem solchen Markte bestehenbereits Austauschverhältnisse und Preise, die von jedem neu hinzu-kommenden Tauschlustigen in Bechnung gezogen werden müssen. Eskönnte auf den ersten Blick scheinen, als ob in einer solchen Berück-sichtigung bereits verwirklichter Austauschverhältnisse eine Messungdes Tauschwertes der neu auf den Markt gebrachten Verkehrsobjekteliege. Aber soweit die bestehenden Preise für den Abschluß neuerTauschgeschäfte von Wichtigkeit sind, wirken sie unmittelbar; esbraucht zur Festsetzung des Preises für aon neu abzuschließendenTausch nicht erst von den alten Preisen auf denTauschwert" derin Betracht kommenden Güter geschlossen zu werden. Ferner sindauch die bestehenden Preise nur das Produkt aus der Divergenz derin Angebot und Nachfrage zum Ausdruck kommenden subjektivenWerturteile und nicht etwa das Ergebnis einer Messung des Tausch-wertes, die ja selbst hinwiederum nur an Preisen erfolgen kann.Kurz, da der Preis das einzige denkbare Maß für den Tauschwertder Verkehrsobjekte ist, kann die Messung des Tauschwertes nichtdie Voraussetzung für die Festsetzung des Preises sein.

Wenn wir dem Gelde die Funktion alsWertmesser" zuerkennen,so kann mithin diese Funktion nicht darin bestehen, daß das Geldzur Ermittelung des Tauschwertes der Güter behufs Festsetzung desAustauschverhältnisses oder des Preises dient. Welcher Inhalt bleibtaber dann der Wertmaßfunktion des Geldes?

Vielfach wird die Wertmaß- oder Preismesserfunktion des Geldesdarin erblickt, daß in unserer Wirtschaftsverfassung, unter der Herr-schaft der Geldwirtschaft, die Preise aller nicht Geld darstellendenVerkehrsobjekte ausschließlich in Geld ausgedrückt werden, sodaßman wie oben bereits erwähnt im allgemeinen unter Preis nurnoch den in Geld ausgedrückten Preis versteht. Dieser Vorgang istlediglich eine Folge des Umstandes, daß das Geld als allgemeinesTauschmittel dient, und daß infolgedessen die Verkehrsobjekte regel-mäßig zunächst gegen Geld umgesetzt werden; von den beiden Gegen-werten besteht mithin der eine regelmäßig in einem bestimmtenGeldbetrage. Zweifellos erleichtert die Tatsache, daß die Preise derVerkehrsgüter allgemein in Geld ausgedrückt werden, die Vergleichungder Preise untereinander ganz außerordentlich; aber von einer Messungder Preise durch das Geld kann gleichwohl korrekterweise nicht die