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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
263
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3. Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § 5. 263

der Preis nicht sofort ebenso feststeht, wie die Tatsache des Tauschesselbst. Der Preis ist nichts anderes als die eine Seite der den Tauschdarstellenden Gleichung, und er ist, wie der Tausch selbst, das un-mittelbare Produkt der divergierenden subjektiven Werturteile derauf Seite von Angebot und Nachfrage' am Verkehr teilnehmendenIndividuen. Dagegen ist der den Dingen beigelegteTauschwert"oderVerkehrswert", wie oben gezeigt wurde, nur eine Abstrak-tion aus der Tatsache, daß zwei Verkehrsobjekte in einem bestimmtenquantitativen Verhältnisse gegeneinander umgesetzt werden. Da aberin diesem Verhältnisse der Preis eines jeden der beiden Verkehrs-objekte jeweils in dem anderen bereits gegeben ist, so resultiert derPreis nicht aus dem Tauschwerte als dessen Verwirklichung, sondernauch zum Preise verhält sich der Tauschwert wie die Abstraktionzur Wirklichkeit.

Daraus ergibt sich für die Funktion des Geldes als Wertmaßoder Preismaß folgendes:

Um den Austausch zweier Verkehrsobjekte im allgemeinen undum den Austausch eines Verkehrsgutes gegen Geld insbesondere zubewerkstelligen, bedarf es keiner Messung des Verkehrswertes derauszutauschenden Güter. Die uralte, schon von Akistoteles vertreteneAnsicht, daß es beim Tausche darauf ankomme, daß jedes der beteiligtenbeiden Individuen den gleichen Wert erhalte, daß infolgedessen vordem Tausche der Wert der zu tauschenden Güter gemessen werdenmüsse (ein Zweck der durch das Geld erfüllt werde) »), stellt denTatbestand geradezu auf den Kopf. Fassen wir den Tausch isoliert-,so kommt er zustande durch die Divergenz des Werturteils zweierSubjekte über das dem Tausche zugrunde zu legende Verhältnis derbeiden in Frage stehenden Güter, von denen jedes dasjenige höherschätzt, das im Besitz des anderen ist; irgend ein objektiver Wertder gemessen werden könnte, steht diesen auseinandergehenden sub-jektiven Werturteilen noch nicht gegenüber. Erst dadurch, daß diebeiden Individuen sich innerhalb der durch ihre subjektiven Wert-urteile gezogenen Grenzen auf ein bestimmtes Austauschverhältniseinigen und auf dieser Grundlage den Tausch vollziehen, kommt eineobjektive Tatsache zustande, die eine Wertgleichung enthält undeine Messung des Verkehrswertes des einen Gutes an dem anderenermöglicht. Das Austauschverhältnis wird also nicht durch eineMessung ermittelt, sondern es wird durch eine Vereinbarung dertauschenden Individuen festgesetzt und gibt seinerseits erst die Grund-lage für eine gegenseitige Messung der ausgetauschten Werte. Mit

1) Amst. Nik. Eth., V. 7.So wenig eine Gemeinschaft möglich wäre ohneAustausch, so wenig ein Austausch ohne Gleichheit und eine Gleichheit ohne Maß"