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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
266
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266 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

nur durch, eine Eeduktion ihres Wertes auf Geld zusammenfassenund vergleichen. Erst durch diese Vergleichbarkeit von Aus- undEingängen wird aber eine planmäßige Wirtschaftsführung möglich;das gilt ebenso von der Verbrauchswirtschaft (Haushaltung) wie vonder Erwerbswirtschaft (Unternehmungj und von den Gemeinwirt-schaften (Staat, Kommunen usw.).Die allgemeine Vornahme der Güter-wertschätzung in Geld in der Wirtschaftsführung ist ein den gegen-wärtigen Zustand der weiter vorgeschrittenen Volkswirtschaften wesent-lich mitbestimmendes Moment. Sie erst ermöglicht genaue Berechnungender Produktionskosten und des Ertrages in den einzelnen Unternehmungenund dadurch ihre genaue Vergleichung und die exakte quantitativeBeurteilung des Produktionserfolges für das Vermögen des Unter-nehmers. Die Abschätzung aller in die Wirtschaft eingehenden odervon ihr ausgehenden Güter und Leistungen in Geld ist die notwendigeGrundlage jeder Rentabilitätsberechnung und damit einer genauenWirtschaftsführung." l )

Die durch das Geld gegebene Möglichkeit der Berechnung derRentabilität eines Unternehmens ist nicht nur für den einzelnen Unter-nehmer wichtig, sondern sie ist auch für die gesamte Volkswirtschaftvon der größten Bedeutung. In unserer Wirtschaftsverfassung, beiwelcher die wirtschaftliche Tätigkeit der einzelnen nicht durch eineneinheitlichen leitenden Willen planmäßig nach dem Bedarfe der Gesamt-heit an den verschiedenen Gütern reguliert wird, bei welcher vielmehrdas Individuum die Richtung seiner Betätigung nach seinem freienErmessen wählt, bei dieseranarchischen Produktionsweise" istdie Rentabilität der einzelnen Arten und Zweige der wirtschaftlichenBetätigung das regulierende Prinzip, durch das die Produktionnach Art und Umfang jeweils dem Bedarfe angepaßt wird. Bleibt dieProduktion einer bestimmten Güterart hinter dem Bedarfe zurück, soäußert sich das darin, daß die Preise dieser Güterart steigen unddadurch die Rentabilität der Produktion dieser Güter erhöhen; diegrößeren Gewinnaussichten führen dem betreffenden Produktions-zweige Kapital und Arbeit zu. Umgekehrt bewirkt eine den Bedarfüberschreitende Produktion einen Rückgang der Preise Und damiteine Verminderung der Rentabilität Kapital und Arbeit wird dadurchvon diesen Produktionszweigen zurückgehalten und zieht sich, soweites ohne allzu große Verluste möglich ist, aus denselben zurück. Dieden Produktionsprozeß regulierende Kraft der Rentabilität, die dasSelbstinteresse des Individuums in den Dienst der Gesamtheit stellt,kann um so besser funktionieren, je leichter sich die Rentabilität dereinzelnen wirtschaftlichen Betätigungen übersehen läßt, und einesolche Übersicht wird überhaupt erst durch das Geld ermöglicht.

1) Eugek v. Philjppovich, Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 8. Aufl. S. 235.