3. Kapitel. Die Eiuzelf'unktiouen des Geldes. § 5.
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Auch die gegenseitigen Beziehungen zwischen den einzelnenVolkswirtschaften, wie sie in Einfuhr und Ausfuhr zutage treten,sind nur dadurch einer tiefer gehenden Beurteilung zugänglich, daßdie eingeführten und ausgeführten Waren auf einen einheitlichenWertausdruck gebracht werden. Die in Geld berechneten Einfuhr-und Ausfuhrwerte gestatten eine Vergleichung der Gesamteinfuhrund der Gesamtausfuhr eines Landes und damit die Berechnung seinerHandelsbilanz; sie ermöglichen die Vergleichung der Ein- und Aus-fuhrwerte der aufeinander folgenden Jahre und damit eine Beurteilungder Entwicklungstendenzen der Volkswirtschaft; sie gestatten eineFeststellung der Bedeutung, die den einzelnen Warengattungeninnerhalb der Gesamteinfuhr und Gesamtausfuhr zukommt; sie ermög-lichen ferner sowohl eine Beurteilung der Stellung, welche dieeinzelnen fremden Länder im gesamten Einfuhr- und Ausfuhrhandeleinnehmen, wie auch eine Vergleichung der Einfuhr aus einem be-stimmten Lande mit der Ausfuhr ebendorthin.
Wenn man-in der Abschätzung des Wertes aller übrigen Verkehrs-objekte in Geld den Inhalt der dem Gelde beigelegten Funktion alsWertmaß erblickt, so muß doch auf einige bedeutsame Unterschiedehingewiesen werden, die zwischen der Messung der Werte durch dasGeld und der Messung aller übrigen quantitativen Verhältnisse, wieAusdehnung und Gewicht, bestehen.
Wenn die Ausdehnung oder das Gewicht eines Körpers gemessenwerden soll, so wird in einem besonderen Verfahren das zwischendem zu messenden Körper und der Maßeinheit bestehende Verhältnisexakt ermittelt. Bei der Messung der Werte durch das Geld dagegenliegt es anders. Ein objektives Wertverhältnis zwischen Ware undGeld besteht nur in dem Augenblicke, in welchem die Ware gegendas Geld umgesetzt wird; das ist so sehr der Fall, daß ein einmalerfolgter Umsatz im allgemeinen nicht unter den gleichen Bedingungenwieder rückgängig gemacht werden kann; denn der Umsatz ist janur deshalb zustande gekommen, weil jeder der beiden Kontrahentendas empfangene Verkehrsobjekt höher schätzte als das gegebeneKeinesfalls aber besagt die Tatsache, daß eine Ware zu einem be-stimmten Geldpreise verkauft worden ist, daß nunmehr eine beliebigeAnzahl von Waren der gleichen Gattung zu demselben Preise gekauftund verkauft werden könne. Der Preis, zu dem der tatsächlicheUmsatz zustande gekommen ist, ist nur das Produkt einer augen-blicklichen Marktlage, die durch jedes erhebliche neue Angebot oderjede erhebliche neue Nachfrage geändert wird. Auf den Märkten desGroßverkehrs wird deshalb häutig ein Angebots- und ein Nachfragepreisverzeichnet und zwar an Stelle oder neben den Preisen, welche den