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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
268
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268 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

tatsächlich zustande gekommenen Abschlüssen zugrunde gelegtworden sind. Die letzteren Preise pflegt der Kurszettel bei uns mitb (bezahlt) zu bezeichnen, die Angebotspreise mit B (Brief), die Nach-fragepreise mit G (Geld).

Es ergibt sich daraus, daß die in den effektiven Umsätzen ver-wirklichten Preise nur einen ungefähren Anhaltspunkt für dieSchätzung des Wertes der Verkehrsobjekte liefern, daß aber eineexakte Ermittelung des Wertes der Güter durch das Geld, wie etwader Oberfläche eines Grundstücks durch ein gegebenes Flächenmaß,nicht stattfinden kann. Die exakte Feststellung des Wertes der Güterin dem als allgemeines Wertmaß bezeichneten Gelde ist nur insoweitmöglich, als die Güter in einem gegebenen Augenblicke effektiv zumUmsätze gegen Geld gebracht werden, und auch dann hat das Ergebnisdieser Feststellung Gültigkeit nur für den Zeitpunkt des Umsatzesselbst. Am deutlichsten tritt die Besonderheit der Wertmessung durchdas Geld darin zutage, daß ein und derselbe Wertgegenstand ineinem und demselben Zeitpunkte verschieden bewertet werden muß,je nachdem es sich darum handelt, den Wertgegenstand zu beschaffenoder ihn zu veräußern, ein Fall, der namentlich bei Schaden-ersatzansprüchen praktisch wird, vor allem hinsichtlich solcher Objekte,für die stets nur ein kleines Angebot und eine kleine Nachfrage vor-handen ist, sodaß der Unterschied in den Preisen, zu welchen siegekauft und verkauft werden können, erheblich ist. Menöee führtals treffendes Beispiel den Unterschied in dem Schadenersatze an, dender Besitzer eines für den Eigengebrauch bestimmten künstlichenAuges und den etwa der Erbe für ein im Nachlasse befindliches Objektdieser Art, für das er selbst keine Verwendung hat, beanspruchen kann.

Der zweite Punkt, in dem sich das Geld als Wertmesser vonallen anderen Maßen wesentlich unterscheidet, ist die Tatsache, daßder Wert des Geldes selbst, mit dem gemessen wird, keine unbedingtfeststehende und sich gleichbleibende Größe ist, wie die Einheitenunseres Maß- und Gewichtssystems. Während das Meter, das Kilogrammusw. genau bestimmte und unveränderliche Einheiten darstellen,unterliegt der Wert des Geldes im Laufe der Zeit und von Ort zuOrt ebensolchen Veränderungen, wie der Wert aller übrigen Verkehrs-objekte. Das einzige, was auf dem Gebiet des Verkehrswertesobjektiv feststeht, sind, wie immer wiederholt werden muß, die Aus-tauschverhältnisse, in welchen die einzelnen Verkehrsobjekte gegen-einander umgesetzt werden. Nur aus diesen Austauschverhältnissenkönnen wir einen in dem einzelnen Gute enthaltenen Verkehrswertabstrahieren, und dieser Verkehrswert findet sein Maß jeweils nur andemjenigen Gute, gegen welches ein Austausch stattfindet. ÖrtlicheVerschiedenheiten und zeitliche Veränderungen des Verkehrswertes