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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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280
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280 Zweites Buch. J. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

funktionell, auf die eine Grundfunktion als Instrument des interpersonalenVerkehrs zurück.

In ihrer Gesamtheit ist die Institution des Geldes eine unentbehr-liche Voraussetzung für unsere auf Arbeitsteilung, Privateigentum undfreier Selbstbestimmung der Individuen beruhende Wirtsehaftsver-fassung. Nur die durch das Geld gegebene nahezu unbegrenzte Ver-kehrsmöglichkeit hat die wirtschaftliche Betätigung des Einzelnen vonder Bindung an den Bedarf der eigenen Person oder eines eng be-grenzten Kreises unmittelbarer Abnehmer der eigejnen Erzeugnisse be-freit und. damit eine über die primitivsten Anfänge hinausgehendeArbeitsteilung gestattet; nur das in dem Gelde gegebene Verkehrs-instrument ermöglicht unter Wahrung der persönlichen Freiheit und.unter Aufrechterhaltung des Privateigentums die Organisation derProduktion in der Unternehmung, die Zusammenfassung von Arbeits-kräften und Kapitalien zu einem einheitlichen Produktionszwecke, sowiedie Entlohnung der Arbeit und des Kapitals aus den Erträgnisseneiner solchen Unternehmung; nur das Geld hat die Voraussetzunggeliefert für die gewaltige Ansammlung mobilen Vermögens, dessendie rationelle und ergiebige Produktion ebenso sehr bedarf wie derArbeit und der Arbeitsteilung; nur das Geld schließlich ermöglichteine Übersicht über die Rentabilität der einzelnen Produktionszweigeund dadurch eine aus dem freien Spiele der wirtschaftlichen Kräfteselbsttätig hervorgehende Regulierung der Produktion nach dem Bedarfe.

Infolgedessen kann das Geld aus unserer Wirtschaftsordnung nichtausgeschaltet werden, ohne daß diese Wirtschaftsordnung selbst da-durch umgestürzt würde. Alle Schwierigkeiten, die mitunter aufdas Geld als solches zurückgeführt werden, insbesondere die Schwierig-keit, jederzeit zu lohnenden Preisen Abnehmer für die eigenen Er-zeugnisse und die eigene Arbeitsleistung zu finden, beruhen in letzterLinie nicht auf der Dazwischenkunft des Geldes, sondern auf derStruktur unserer Wirtschaftsverfassung, innerhalb welcher der Bedarfder Gesamtheit die wirtschaftliche Tätigkeit des einzelnen geradedurch die Leichtigkeit und Schwierigkeit des Absatzes reguliert. Essoll keineswegs in Abrede gestellt werden, daß Mängel in der Ein-richtung des Geldwesens und Störungen des Geldwesens zu schwerenStörungen im Verkehr und im gesamten Wirtschaftsleben führenkönnen; aber die Behauptung, daß das Geld an sich durch sein bloßesVorhandensein den Absatz von Waren erschwere, steht im vollstenWiderspruche zu der tatsächlichen Wirksamkeit des Geldes. DieseBehauptung wird mit dem Hinweise darauf vertreten, daß in der Geld-wirtschaft jeder einzelne gezwungen sei, seine Erzeugnisse oderseine Arbeitskraft gegen Geld zu verkaufen, weil er selbst nur mitGeld kaufen könne; daß er mithin in der Möglichkeit des Absatzes