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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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8. Kapitel. Die Geldsysteme. I. § 2.

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wert gegebenen "Verhältnisse zum Ausdruck kommt, mit einem be-stimmten GeldmetaJle verknüpft, es bleibt eine nur minimalen Schwan-kungen unterworfene Relation zwischen der Rechnungseinheit desGeldes und einem genau bestimmten Metallquantum bestehen, eineRelation, die sich meistens *) mit dem Verhältnisse zwischen Nennwertund Metallgehalt der aus dem betreffenden Edelmetalle hergestelltenMünzen deckt. So besteht in der deutschen Reichswährung eine nurnach Tausendteilen veränderliche Wertgleichung zwischen der Rechnungs-einheit der deutschen Geldverfassung, der Mark, und Pfund Fein-loy 5

gold, und diese Gleichung findet sich wieder zwischen dem Nennwerte

und dem Feingehalte der Reichsgoldmünzen; das Zehnmarkstück ent-

1 1hält -r^r-r Pfund, das Zwanzigmarkstück ft Pfund Feingold, also

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pro Mark des Nennwertes Pfund.

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Es wurde bereits hervorgehoben, daß in Ansehung der einzelnenMünzstücke die Beziehung zwischen ihrem Werte als Münzen undihrem Metallgehalte durchaus natürlich ist. Sie besteht solange, alsder die Münzprägung ausübende Staat jedes Quantum Edelmetall, dasihm gebracht wird, gegen Berechnung der Selbstkosten oder einernicht allzusehr über die Prägekosten hinausgehenden Gebühr, die manSchlagschatz nennt, in Münzform bringt, und als der Staat in irgendeiner Weise für die Aufrechterhaltung der annähernden Vollwichtig-keit der von ihm ausgegebenen Münzen sorgt.

In der freien Prägung und der Festsetzung eines Passiergewichtshaben wir mithin zunächst ein Band, welches eine nahezu unverrück-bare Wertgleichheit zwischen dem Geldmetalle und dem aus ihm ge-prägten Metallgelde herstellt und aufrecht erhält. Sobald es durchVorkehrungen, die bei der inneren Einrichtung der Geldsysteme zuerörtern sein werden, gelungen ist, alle aus anderen Stoffen bestehendenGeldsorten den aus dem frei ausprägbaren Metalle hergestellten undvollwichtig erhaltenen Münzen in festen Verhältnissen anzugliedern,umfaßt die durch die freie Prägung bewirkte Bindung den Wert desGeldes schlechthin. Solange in Deutschland 20 silberne Einmarkstückeebensoviel gelten wie ein goldenes Zwanzigmarkstück, besteht die durchdie freie Prägung des Goldes und die Festsetzung des Passiergewichtesbewirkte Beziehung zu dem Metalle Gold in Ansehung der Silber-münzen ebenso, wie in Ansehung der Goldmünzen; das deutsche Geldals solches ist in seinem Werte in eine bestimmte Gleichung gesetzt zudem Metalle Gold, der Wert der deutschen Rechnungseinheit, der Mark,

1) En gibt auch Ausnahmen; davon später.