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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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378
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.

entspricht innerhalb der bezeichneten engen Schwankungsgrenzen dem

Werte von -^r- Pfund Gold. 1 ) In der KnAPPSchen Terminologie heißt1395

das: es bestehtHylodromie 1 für das Metall Gold, der Stoff (Hyle)Gold hat einen festen Kurs (Dromos) in der Geldeinheit.

Im Gegensatz zu diesen Währungssystemen, bei denen der Wertdes Geldes mit einem bestimmten Edelmetalle verknüpft erscheint,stehen diejenigen Systeme, bei denen eine annähernd feste Wertrelationzwischen der Geldeinheit und irgend einem Geldstoffe oder überhauptirgend einem dritten Gute gänzlich fehlt, bei denen also der Wertdes Geldes unabhängig ist von dem Werte aller übrigen Verkehrsob-jekte und sich in seinem Verhältnisse auch zu den Geldstoffen gewisser-maßen nach eigenen Gesetzen bestimmt. Voraussetzung für dieseSysteme ist, daß entweder keines der beiden Edelmetalle frei aus-prägbar ist, wie etwa in Österreich von 1879 bis 1892 und in Indienvon 1893 an, oder daß die Verbindung des gesamten Geldwesens mitden frei ausprägbaren Münzen nicht gelungen oder nicht aufrecht er-halten worden ist, wie beim Fehlen eines Passiergewichts und derdaraus hervorgehenden fortgesetzten Gewichtsverringerung des tat-sächlichen Umlaufs, oder wie bei den Papierwährungen. Im ersterenFalle mangels freier Prägung kann sich der Wert des geprägtenGeldes beliebig über seinen Metallgehalt erheben; im Falle der Papier-währung wirkt die zwischen dem frei ausprägbaren Gelde einerseitsund dem Papiergelde andrerseits eingetretene Wertdifferenz dahin,daß im Verkehr jedermann von dem Rechte, mit dem Papiergelde zuseinem Nennwerte zu zahlen, Gebrauch macht, während das ursprüng-liche Metallgeld entweder aus dem Umlaufe verschwindet oder mitschwankendem Aufgelde gegenüber seinem Nennwerte gegeben undgenommen wird. Der Wert der Geldeinheit hängt mithin in diesemFalle nicht mehr von dem ursprünglichen Metallgelde ab, sondern vondem Landespapiergelde, dem gegenüber das ursprüngliche Metallgeldmitunter den stärksten Kursschwankungen unterliegt.

Man kann mithin nach dem Kriterium des Bestehens oder Nicht-bestehens einer Bindung des Geldwertes an einen Geldstoff zwei Haupt-gruppen von Währungssystemen unterscheiden: gebundene Wäh-rungen und freie Währungen.

Bei den gebundenen Währungen heißt dasjenige Edelmetall, mit

1) Es genüge hier die Konstatiemng der festen Wertgleichung zwischen Geld-stoff und Geldeinheit; üb im Falle des Bestehens dieser festen Gleichung der Wertdes Geldstoff es, in unserem Falle des Goldes, durch den Wert der Geldeinheit bedingtist oder umgekehrt, oder ob schließlich eine Wechselwirkung vorliegt, bleibt einerspäteren Erörterung vorbehalten.