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9. Kapitel. Die internatioDale Geldverfassuog. § 2. 443
stände in Beziehung gesetzt ist, können im Verhältnis zu fremdenWährungen unbegrenzte Schwankungen stattfinden. Wo aber derWert des Geldes in Beziehung gesetzt ist zu einem bestimmten Gewichts-quantum Edelmetall, da sind Valutaschwankungen gegenüber den aufdem gleichen Währungsmetalle beruhenden fremden Währungen aufeinen minimalen Spielraum beschränkt; gegenüber den auf dem anderenEdelmetalle beruhenden Währungen erscheinen die Valutaschwankungenin gewisser Beziehung bedingt und begrenzt durch die Veränderungenim Wertverhältnisse der beiden Edelmetalle.
Wenn zwei Länder Goldwährung haben, sodaß in einem jedeneine Wertgleichheit zwischen der Geldeinheit und einem bestimmtenGewichtsquantum Gold besteht, so ergibt sich daraus ein Gleichungs-punkt für das Verhältnis des Wertes der beiden Geldeinheiten, dersich nach dem Verhältnisse der Gewichtsquanten Gold, die den beidenGeldeinheiten entsprechen, berechnen läßt. Diesen Gleichungspunktzweier Valuten nennt man „Parität".
Um das Wesen dieser „Parität" an einem Beispiele klar zumachen:
Deutschland und Frankreich haben beide Goldwährung in demSinne, daß der Wert der Geldeinheit in Beziehung gesetzt ist zu einembestimmten Goldquantum. Nach den deutschen Münzgesetzen werden auseinem Kilogramm feinen Goldes 2790 Mark geprägt; nach den französi-schen Münzgesetzen werden aus einem Kilogramm Münzgold von 900 Tau-sendteilen Feinheit 3100 Franken, also aus dem Kilogramm Feingold
3* Franken geprägt. Mithin ergibt sich zwischen dem deutschen
und dem französischen Gelde die Gleichung:
2790 Mark = ^j-— Franken (= 1 kg Feingold)
, _, , 2790X9 , 81 .also: 1 Frank = Mark = — Mark.
Die Parität zwischen der deutschen und französischen Valuta istmithin: 100 Franken = 8t Mark. In je 8t Mark ist soviel Goldenthalten, daß 100 Franken daraus geprägt werden können, und hierwie dort besteht eine Wertgleichheit zwischen der Geldeinheit undihrem spezifischen Goldgehalte.
Die Berechnung der Parität ist etwas umständlicher, wenn dieMünzgewichte bei den in Frage kommenden Geldsystemen nicht ineinfachem Verhältnisse zu einander stehen. Aber im Prinzip bleibt dieBerechnung bei allen Währungen mit gleicher Währungsgrundlagedieselbe. So ergibt sich die Parität zwischen dem deutschen unddem englischen Gelde aus folgendem Kettensatze:
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