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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldverfassung.
Es gibt also kein einheitliches internationales Geld und keineeigentliche internationale Geldverfassung, sondern nur ein Nebeneinanderverschiedener nationaler Währungen. Aber das Verhältnis, in demdiese verschiedenen nationalen Währungen zu einander stehen, ist fin-den ganzen internationalen Verkehr von der allergrößten Wichtigkeit,und dieses Verhältnis hat man meist im Auge, wenn man von derinternationalen Geldverfassung spricht.
Wenn der durch Geld zu vermittelnde Verkehr von Land zu Landden Umsatz des Geldes des einen Landes gegen das Geld des anderenLandes erfordert, so ist es für die Gestaltung dieses Verkehrs offen-bar von sehr erheblicher Bedeutung, in welchem Verhältnis der Aus-tausch zwischen dem inländischen und dem ausländischen Gelde sichvollziehen läßt, ob dieses Verhältnis ein stabiles ist, oder ob es großenSchwankungen unterliegt. Es ist klar, daß die internationalenVerkehrsbeziehungen sehr erschwert werden, wenn zwischen demGelde der verschiedenen Länder kein annähernd festes Wertverhältnisbesteht. Wer nach dem Auslande Waren verkauft und ausländischesGeld dafür in Zahlung empfängt, wer im Auslande Kapital investiert,dessen Zinsen oder sonstige Erträgnisse in ausländischem Gelde ein-gehen, der muß Wert darauf legen, mit einiger Sicherheit berechnenzu können, wie viel das ausländische Geld zur Zeit des Zahlungs-empfanges in seinem heimischen Landesgelde wert sein wird. Jegrößer die Schwankungen, die in dem Wertverhältnisse des Geldes ver-schiedener Länder stattfinden, desto größer wird die Gefahr eines Ver-lustes für diejenigen, die in ausländischem Gelde Zahlung zu empfangenoder Zahlung zu leisten haben; es kommen mithin bei großen Schwan-kungen nur solche Transaktionen zustande, bei denen entsprechendhohe Gewinnaussichten dem größeren Risiko gegenüberstehen.
Man nennt eine Währung in ihren Beziehungen zu fremden Wäh-rungen „-Valuta*, die Wertveränderungen zwischen dem inländischenund ausländischen Gelde nennt man „Valutaschwankungen". DieFeststellung der Ursachen, welche die Valutaschwankungen beherrschen,und der Mittel, welche geeignet sind, die Valutaschwankungen zu be-seitigen oder wenigstens auf ein unschädliches Maß einzuschränken,stellt einen wichtigen Teil der Wissenschaft vom Gelde dar.
§ 2. Die Paritäten.
Das Problem des gegenseitigen Verhältnisses zweier nationalerWährungen ist ein verschiedenes bei den beiden Hauptkategorien vonWährungssystemen, die wir unterschieden haben: bei den gebundenenund den freien Währungen. Bei den letzteren, bei denen die Wert-bewegung des Geldes nicht mit einem bestimmten dritten Wertgegen-