9. Kapitel. Die internationale Geldverfaasung. § 3.
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Verhältnisses zwischen Silber und Gold, die sich in dem in englischemGoldwährungsgelde ausgedrückten Silberpreise äußerte, mußte parallelgehen mit einer Veränderung der Parität zwischen dem englischenund indischen Gelde. Dagegen blieb bis zur Einstellung der indischenSilberprägungen das indische Silbergeld stets in einer festen Paritätzu den übrigen Silbervaluten, z. B. zu der chinesischen, japanischen undmexikanischen Silberwährung.
Zwischen gebundenen Währungen und freien Währungen, sowiezwischen freien Währungen untereinander besteht, wie bereits betont,keinerlei Parität, da die freien Valuten in ihrem Wertgange nicht anirgend einen dritten Stoff gebunden sind.
§ 3. Das Kursverhältnis, iiisbesondere die Wechselkurse,zwischen gebundenen Währungen mit gleicher metallischer Grundlage.
Wenn wir den rechnerischen Gleichungspunkt, der sich aus denMetalläquivalenten zweier gebundenen Währungen ergibt, als „Parität 1-bezeichnen, so müssen wir sofort die Feststellung hinzufügen, daß auchbei gebundenen Währungen, die auf dem gleichen Metalle beruhen,das tatsächliche Kursverhältnis keineswegs immer oder auch nur regel-mäßig mit dem Pari übereinstimmt, sondern von diesem meist inner-halb gewisser, allerdings sehr eng gezogener Grenzen abweicht.
Dies tritt bereits in Erscheinung, wenn es sich um Umsätze effek-tiver ausländischer Geldstücke gegen inländisches Geld handelt. Die Mög-lichkeit der Abweichung des Kurses von der Parität ergibt sich hierschon aus der Tatsache, daß — wie wir oben festgestellt haben —auch bei gebundenen Währungen das Wertverhältnis zwischen Geldund Geldmetall kein absolut festes, sondern vielmehr ein innerhalbsehr enger Grenzen schwankendes ist. Prägekosten, Zinsverlust beider Prägung und Abnutzung des tatsächlich umlaufenden frei auspräg-baren Geldes ermöglichen Schwankungen im Ausmaße von einigen Pro-millen um den durch den Ausmünzungsfuß des vollwertigen Geldesgegebenen Gleichungspunkt zwischen Geld und Metall. Wenn dieWertgleichung zwischen der deutschen Geldeinheit und dem MetalleGold, desgleichen zwischen der englischen Geldeinheit und dem Me-talle Gold nicht eine fest bestimmte, sondern nur eine ungefähre ist,so kann daraus auch nur eine ungefähre Wertgleichung zwischen demenglischen und dem deutschen Gelde hervorgehen. Um mehr als dieKosten der Abnutzung, zuzüglich der Kosten der Umwandlung des aus-ländischen in inländisches und des inländischen in ausländisches Geld,können sich aber die Kurse des ausländisches Geldes nicht von derParität entfernen.
Um den Sachverhalt rechnungsmäßig deutlich zu machen, nehmenwir als Beispiel den ungünstigsten Kurs, den französische Zwanzig-