IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgnng und Geldwert.
Vorbemerkung.
Nachdem im theoretischen Teile dieses Werkes bisher der Begriffund die Funktionen des Geldes in der Volkswirtschaft, die Stellungdes Geldes im Kecht und die Organisation des Geldwesens eingehendbehandelt worden sind, erübrigt noch die Darstellung eines Komplexesvon theoretischen Problemen, die unter sich auf das engste zusammen-hängen. Es sind zu erörtern die Fragen nach der Größe des Bedarfsder Volkswirtschaften an Geld, nach den diesen Bedarf bestimmendenFaktoren und nach den Ursachen der Veränderungen des Geldbedarfs.In unmittelbarer Verbindung mit diesen Fragen stehen die anderen,die sich auf die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld beziehen.Die Gegenüberstellung beider Kreise von Fragen ergibt von selbstdas weitere Problem des Gleichgewichtes zwischen Geldbedarf undGeldversorgung und der Wirkungen von Unstimmigkeiten zwischenGeldbedarf und Geldversorgung. Wie bei allen wirtschaftlichen Güterndie Größe des Angebots und die Größe der Nachfrage und Änderungenim gegenseitigen Verhältnisse dieser beiden Faktoren auf den Verkehrs-wert der Güter einen Einfluß ausüben, so darf man eine solche Wir-kung auch hinsichtlich des Geldes annehmen; auf diese Weise werdenwir von der Erörterung derjenigen Probleme des Geldwesens, die manals rein quantitative bezeichnen kann, zur Erörterung des „Geldwertes"und seiner Bewegungen und dadurch schließlich zur Erörterung derWirkungen der Geldwertänderungen auf die Gesamtheit der wirtschaft-lichen Verhältnisse hingeführt.
10. Kapitel. Der Geldbedarf.
§ 1. Die Entwicklung: der Theorie des Geldbedarfs.
Die Auffassung der merkantilistischen Periode, nach welcher dasGeld die eigentliche Verkörperung des Reichtums ist, kannte den Be-griff des Geldbedarfs als einer durch die jeweiligen Verhältnisse derVolkswirtschaft bedingten Größe noch nicht; die Ansammlung mög-lichst großer Bestände von Edelmetall — nur solches wurde als Geldbetrachtet — erschien, ohne jede Rücksicht auf bestimmte Verwen-