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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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473
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9. Kapitel. Die internationale Geldverfassung. § 9. 473

bald sie in verantwortliche Stellungen kommen. Das hat sich in derFrage des Bimetallismus mit aller Deutlichkeit darin gezeigt, daßStaatsmänner, die als unverantwortliche Politiker und Parlamentariermit großem Eifer die bimetalUstische Idee vertreten hatten, sich vorder praktischen Verwirklichung ihrer Ideale, nachdem sie zur Regie-rung gekommen waren, doch noch eines anderen besonnen haben. Dazugehört z. B. der englische Staatsmann Arthur Balfotjr, auf den ge-rade die deutschen Bimetallisten in der zweiten Hälfte der neunzigerJahre vor seinem Eintritte in das englische Kabinett so große Hoff-nungen gesetzt hatten, um dann von dem Premierminister Balfoureine um so schwerere Enttäuschung zu erfahren. Auch der früherepreußische Finanzminister von Scholz, der anfänglich gleichfallseinige bimetallistische Neigungen hatte, hat gelegentlich erklärt, durchdas pflichtgemäße Studium der bimetallistischen Vertragsentwürfe,die der Pariser Münzkonferenz von 1881 unterbreitet wurden, sei erbekehrt worden; er habe niemals einen bimetallistischen Vertragsentwurfgesehen, den ein Staatsmann unterzeichnen könne, der sein Vaterlandlieb habe und es nicht verraten wolle.

§ 9. Die Währungsgleichheit auf der Grundlage des Goldes.

Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts hat gezeigt, daß einFortschritt in der internationalen Währungsgleichheit auch ohne ver-tragsmäßige Doppelwährung möglich ist. Das Bedürfnis der wirt-schaftlich noch weniger entwickelten Silberwährungsländer und derin die Papierwährung geratenen Kulturstaaten nach einem engen An-schlüsse und einem umgestörten Verkehr mit den großen den Weltmarktbeherrschenden Handelsstaaten hat in Verbindung mit der Steigerungder Goldproduktion den im historischen Teile geschilderten Ent-wicklungsprozeß herbeigeführt, durch welchen das Gold die Währungs-grundlage für den ganz überwiegenden Teil aller am Weltverkehrbeteiligten Länder geworden ist. Die schweren Schädigungen, diewährend einiger Jahrzehnte aus den Valutaschwankungen zwischenden Goldwährungen einerseits, den Silberwährungen und namentlich/ auch den Papierwährungen andrerseits hervorgerufen worden sind,haben durch die geschilderte Entwicklung eine wesentliche Ein-schränkung erfahren, und die internationale Geldverfassung ist aufdem Boden der Goldvaluta dem erstrebenswerten Ziele möglichst stabilerBeziehungen zwischen dem Gelde der sämtlichen Kulturstaaten umein erhebliches näher gebracht worden.

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