Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
476
Einzelbild herunterladen
 

HHMMB^HHHHHI^HI^HHHHHi

476 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Gleichung des Wertes der beiden großen in ihrer Menge veränder-lichen Güterkategorien sein; eine Veränderung der Geldmenge beiunveränderter Warenmenge läßt mithin den Gesamtwert des Geldesunverändert, bewirkt aber grade deshalb eine Veränderung des Wertesder einzelnen Geldstücke, und zwar in der Weise, daß bei unver-änderter Warenmenge durch eine Vermehrung der Geldmenge eineentsprechende Verminderung des Wertes des einzelnen Geldstückesdurch eine Verminderung der Geldmenge eine entsprechende Steigerungdes Wertes des einzelnen Geldstückes hervorgerufen wird.

Diese Auffassung ist leicht zu widerlegen durch den Hinweisdarauf, daß von dem gesamten Gütervorrate einer Nation sich stetsnur ein Bruchteil im Zustande der Übertragung befindet und so demGelde gegenübertritt, daß ferner in weitaus den meisten Einzelwirt-schaften die Vorräte an barem Gelde nur einen geringen Bruchteildes in anderen Gütern (wie Grund und Boden, Gebäuden, Maschinen,Rohstoffen, Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen usw.) investiertenVermögens ausmachen.* Diese sehr naheliegende Wahrnehmung hat zu der Einschränkung

der eben dargestellten Auffassung geführt, daß die Menge des Geldesin ihrem Werte der Menge nur der veräußerlichen oder zur Ver-äußerung bestimmten Güter" entsprechen müsse. Von dieser Ansichtbrauchte es nur einen kleinen Schritt zu der v/eiteren Modifikation,daß ein Bedarf an Geld nur soweit vorhanden sei, als tatsächlichWaren umgesetzt werden. Da nun aber ein und dasselbe Geldstückin einem gegebenen Zeiträume wiederholt von Hand zu Hand gehenund so wiederholt Umsätze vermitteln kann, so ist schließlich dielange Zeit hindurch herrschende Theorie entstanden, daß der Geld-bedarf einer Volkswirtschaft sich bestimme: erstens nach der Gesamt-menge der in einem gegebenen Zeiträume umzusetzenden Waren,zweitens nach derUmlaufsgeschwindigkeit" des Geldes. Man hatdiesen Satz durch das Gleichnis zu erläutern gesucht, daß die Leistungeines Transportschiffes sich nicht nur nach seinem Raumgehalte, son-dern auch nach der durch seine Fahrgeschwindigkeit bedingten An-zahl seiner Fahrten innerhalb einer gegebenen Zeit bestimme; manhat ihn ferner in eine mathematische Formel gebracht; indem manden Gesamtwert der jährlichen Umsätze = n, die benötigte Geld-menge = m, die durchschnittliche Zirkulationsgeschwindigkeit des Geldes,d. h. die Anzahl von Malen, welche das Geld innerhalb eines Jahresvon Hand zu Hand geht, = s setzte, kam man zu der Gleichung:

n =. *) Stuart Mill präzisiert diesen Gedanken in folgenden

Worten:If each piece of money changes hands on an average ten1) Vgl. Roscher, Grundlagen der Nationalökonomie. 23. Aofl. 1900. S. 355 ff.