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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
488
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488 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwort.

vergleicht, so war dem absoluten Betrage nach in dem bezeichnetenZeiträume, mit Ausnahme von zwei Jahren, die Spannung der unge-deckten Noten allein größer, als die Spannung der sämtlichen durchBarvorrat nicht gedeckten Verbindlichkeiten, Die am weitestengehende Kompensation von Noten und fremden Geldern hat im Jahre1892 stattgefunden, in welchem die Spannung des ungedeckten Notenum-laufs 415 Millionen Mark, die Spannung der durch Barvorrat nicht ge-deckten sämtlichen täglich fälligen Verbindlichkeiten dagegen nur197 Millionen Mark betragen hat. Infolge dieser gegenseitigen Aus-gleichung aber braucht die Bank für Noten und fremde Gelder zusammennur einen wesentlich geringeren Bestand von Bargeld als Deckung zuhalten, als zwei getrennte Banken halten müßten, von denen die eine dengleichen Giroverkehr, die andere den gleichen Notenumlauf hätte; jaman kann auf Grund der bisherigen Erfahrungen sagen: die Reichs-bank braucht für ihre Noten und fremden Gelder kaum einen höherenBarvorrat, als sie ihn für ihre Noten allein nötig hätte; mit anderenWorten: die Kombination von Notenausgabe und Giroverkehr hateine nahezu um die ganzen Milliardenumsätze des Giroverkehrs(1909: 295 Milliarden Mark) gesteigerte Ausnutzung des in der Reichs-bank liegenden und allein schon für die Zwecke der Notendeckungerforderlichen Bargeldbestandes möglich gemacht.

Der Scheck- und Giroverkehr verringert infolge der dargestelltenWirkungen zweifellos den Gesamtbetrag an Kassenvorrat, der für dieBewerkstelligung einer bestimmten Summe von Zahlungsausgleichungeninnerhalb eines bestimmten Zeitraumes gehalten werden muß. Gleich-zeitig erhöhen diese Zahlungseinrichtungen jedoch diesichtbarenGeldvorräte' 1 ; denn das in den Banken konzentrierte Geld gelangtdurch deren Ausweise zur allgemeinen Wahrnehmung, der die Kassen-vorräte der Einzelhaushalte und Einzelunternehmungen entzogensind. Es kommt hinzu, daß diese sichtbaren Geldbestände, auf derenGrundlage sich der Scheck- und Giroverkehr vollzieht, sich in einemdauernden Ruhezustande befinden und. nur verhältnismäßig geringenVeränderungen unterliegen im Gegensatze zu den Kassenbeständender gewöhnlichen Einzelwirtschaften, die sich in mehr oder wenigerraschem Wechsel erschöpfen und wieder füllen; während man dieKassenvorräte der Einzelwirtschaften zumzirkulierenden Gelde"rechnet, werden die sichtbaren Bestände der großen Banken als derZirkulation entzogen aufgefaßt. An diesen Unterschied ist in einemneueren Werke angeknüpft worden, um weitgehende Folgerungen fürdie Theorie des Geldes und für die praktische Gestaltung des Geld-wertes in den letztverflossenen Jahrzehnten zu ziehen. In seinerBankpolitik"') stellt Schabling demzirkulierenden Gelde" das

1) W! Scharling, Bankpolitik. 1900.