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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 2.

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wieder zur Verfügung zu stellen, zum Teil können sie die Guthabenselbst, auf Grund deren sich die Zahlungsausgleichungen vollziehen,im Wege der Kreditgewährung schaffen, etwa indem sie Wechseldiskontieren und deD Betrag, statt ihn in Metallgeld oder Noten aus-zuzahlen, dem Einreicher des Wechsels auf seinem Konto gutschreiben.

Eine noch weitere Steigerung erfährt die Intensität der Aus-nutzung des Bargeldes, wenn die einzelnen kassenführenden Bankenuntereinander in ein Abrechnungsverhältnis treten und die durch dieKassenführung 'für ihre Kunden von Bank zu Bank erwachsendenForderungen unter einander ausgleichen. Ihre höchste Vervollkomm-nung hat diese Einrichtung in der Organisation der Abrechnungs-stellen (Clearinghäuser) in London und an deutschen Bankplätzen ge-funden. Hier kompensieren die einzelnen Banken ihre gegenseitigenForderungen in der Weise, daß auch die verbleibenden Salden nichtzur baren Auszahlung gelangen, sondern ihre Ausgleichung durchGiroübertragungen in den Büchern der Zentralbank, der Bank vonEngland und der Beicbsbank, finden, ohne daß überhaupt ein PfennigBargeld in Bewegung gesetzt zu werden braucht.

Ebenso ergibt die Kombination des Giroverkehrs und der Noten-ausgabe bei einer und derselben Bank eine außerordentliche Steigerungder Möglichkeit einer intensiven Ausnutzung des Bargeldes. Es seiin diesem wichtigen Punkte auf die interessanten Erfahrungen derdeutschen Reichsbank verwiesen. 1 ) Giroguthaben und Notenumlaufstehen sieb darin gleich, daß beide zwar nicht eine volle Deckungdurch Metallgeld, immerhin aber eine Deckung durch Metallgeld er-fordern, die für alle möglichen Eventualitäten zur Aufrechterhaltungder baren Auszahlungen und der Noteneinlösung genügt. Nun hatsich gezeigt, daß die Höhepunkte und Tiefpunkte der sogenanntenfremden Gelder", die in der Hauptsache Giroguthaben sind, und derNotenausgabe auf verschiedene Zeitpunkte fallen, daß sich mithin dieBewegungen dieser beiden Passivposten untereinander in weitemUmfange ausgleichen. Die Spannung zwischen dem Höchst- undMindestbetrag der sämtlichen täglich fälligen Verbindlichkeiten derReichsbank (Noten + fremde Gelder) war in den 25 Jahren von18761900 mit Ausnahme eines einzigen Jahres prozentual geringerals die Spannung zwischen dem Maximum und Minimum des Noten-umlaufs allein; in 17 von den 25 Jahren war die Spannung sogardem absoluten Betrage nach kleiner bei den sämtlichen täglich fälligenVerbindlichkeiten, als bei dem Notenumläufe allein. Wenn man diedurch Barvorrat nicht gedeckten sämtlichen täglich lalligen Verbind-lichkeiten und die durch Barvorrat nicht gedeckten Noten miteinander

1) Vgl. Die DenkschriftDie Reiclisbank 1876-1900", S. 67, 68.