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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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486
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486 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Verkehrsvermittelung ermöglichen. Hierher gehören die großen Bar-bestände der Banken, auf deren Grundlage sich der Scheckverkehr,der Giroverkehr und der Abrechnungsverkehr abspielen. Da dieUmsätze im Scheck-, Giro- und Abrechnungsverkehr Barbestände zurVoraussetzung haben, ist die Meinung irrig, daß diese Umsätze sichunter einer unmittelbaren und völligen Ersparung von Bargeld voll-ziehen; erspart wird vielmehr bei diesen Einrichtungen zunächst nurdie Bargeld üb er tragung: das Bärgeld bleibt bei den auf seinerGrundlage bewirkten Umsätzen in den Kassen der Banken im Ruhe-zustande. Aber diese Einrichtungen stellen eine intensivere Art derAusnutzung des Bargeldes dar, als sie durch die gewöhnlichen Bar-geldübertragiuigen herbeigeführt werden könnte, und diese intensivereAusnutzung des Bargeldes wird nicht erreicht wie in dem vorhinbetrachteten Falle des Leihverkehrs in Geld durch eine Steigerungder Beweglichkeit und der Bewegungen des Geldes, sondern um-gekehrt, da sie sich auf Grund ruhender Geldvorräte vollzieht, beigleichzeitiger Verminderung der effektiven Zirkulationsgeschwindigkeitdes Geldes.

Es muß dem Bande über das Kredit- und Bankwesen vorbe-behalten bleiben, die Bargeldübertragungen ersparenden Einrichtungeneingehend darzustellen; hier kann nur auf die wichtigsten Züge hin-gewiesen werden.

Nehmen wir zunächst die Übertragung der Kassenführung fürEinzelwirtschaften an Bankinstitute und den sich daran anschließen-den Giro- und Scheckverkehr. Hier ist es klar, daß in der Konzen-tration der Kassenführung für eine große Anzahl von Haushalten,und Unternehmungen an einer einzigen Stelle allein schon ein Bar-geld ersparendes Moment liegt. Eine Bank, die für 1000 PersonenZahlungen leistet und empfängt, braucht nicht entfernt eine ebensogroße Kasse zu halten, wie die 1000 Personen zusammengenommenohne diese Konzentration halten müßten. Denn einmal verteilen sichdie Zahlungsleistungen und Eingänge auf verschiedene Zeitpunkte,und dann ist, da die einzelnen Kunden derselben Bank vielfach aneinander Zahlungen zu leisten haben, die Möglichkeit gegeben, dieZahlungen durch bloße Umschreibungen in den Büchern der Bankauszugleichen. Beim Giroverkehr einer großen Bank mit zahlreichenFilialen nehmen die notwendig werdenden Auszahlungen gegenüberden Buchübertragungen einen verschwindend geringen Baum ein.Vermöge dieser Konzentration des Zahlungsprozesses kann dieselbeSumme von Zahlungsausgleichungen auf Grund eines Bruchteils dessonst nötigen Bargeldbestandes bewirkt werden; die Banken sind in-folgedessen imstande, einen erheblichen Teil der ihnen anvertrautenKassenbestände im Wege der Kreditbewilligung dem freien Verkehr