10. Kapitel. Der Geldbedarf.. § 3.
493
Geldbestand hat als die meisten übrigen großen Länder, namentlichauch als Deutschland und England 1 ), obwohl Frankreich an Lebhaftig-keit des Verkehrs und an Größe der jährlichen Umsätze und Zahlungenhinter Deutschland und England zurücksteht, so erklärt sich dies ausfolgenden Gründen.
Zunächst sind die auf eine intensivere Ausnutzung des Bargeldeshinwirkenden Einrichtungen in Frankreich nicht in demselben Maßeentwickelt wie in Deutschland oder gar in England ; infolgedessenwird in Frankreich für die Bewältigung der gleichen Übertragungenein größerer Betrag von Bargeld benötigt. Ferner aber ist Frank-reich an Reichtum im Verhältnis zu seiner Bevölkerung jedenfallsDeutschland beträchtlich überlegen; wenn es auch England in diesemPunkte vielleicht nicht gleichkommen mag, so ist dafür der Reichtumin Frankreich über die breiten Schichten der Bevölkerung viel gleich-mäßiger verteilt als in den meisten anderen Ländern. Es ist mithinein viel größerer Teil der Bevölkerung als anderwärts in der Lage,seinen Bedarf an Kassenbestand reichlich zu decken; und gerade dieSchicht der mittleren Wohlhabenheit beansprucht im allgemeinen imVerhältnis zu dem gesamten Vermögen einen größeren Geldbestandals die reichsten Haushalte. Dazu kommt beim Franzosen die ver-hältnismäßig geringe Ausbildung des kaufmännischen Geistes; es kommtihm nicht so sehr, wie etwa dem Engländer, darauf an, ob er an demBargelde, das er mit sich herumträgt oder in seinen Kassen liegenhat, Zinsen verliert; dieser Verlust wird vielmehr für ihn durch dieBequemlichkeit eines jederzeit bereiten reichlichen Kassenbestandesüberwogen..
§ 3. Die Schwankungen des Geldbedarfs.
Mit der Feststellung der den Geldbedarf bestimmenden Faktorenist zugleich die Grundlage für die Erörterungen der Schwankungendes Geldbedarfs gewonnen; die Veränderungen des Geldbedarfs in derZeit müssen sich auf dieselben Bestimmungsgründe zurückführenlassen, auf welchen die Verschiedenheit des Geldbedarfs der ein-zelnen Volkswirtschaft in einem gegebenen Zeitpunkte beruht.
Wenn wir uns ein Bild von den zeitlichen Schwankungen desGeldbedarfs innerhalb einer und derselben Volkswirtschaft machenwollen, so werden wir zu der Wahrnehmung geführt, daß die Be-wegungen des Geldbedarfs sich nicht als einfache Kurven darstellen,die in großen, mehr oder weniger gleichmäßig verlaufenden Zügenauf- und abwärtsführen; die großen Züge der Bewegung unterliegenvielmehr in sich selbst starken Modifikationen.
1) Vgl. die Tabelle auf S. 203.